Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Freitag, den 21.01.2022 um 10.30 UTC



Zunächst unter Hochdruckeinfluss keine signifikanten Wettergefahren. Ab Donnerstag an der See und im Bergland teils stürmisch, an den Alpen markanter Schneefall gering wahrscheinlich.

Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 28.01.2022

Nachdem nun mehr als die Hälfte des meteorologischen Winters (bestehend aus den Monaten Dezember, Januar und Februar) vorbei ist, kann man es drehen und wenden, wie man will, aber pures Winterwetter will sich im Tiefland in vielen Regionen partout nicht einstellen. Die Mittelfrist macht da für die Fans solchen Wetters ebenfalls wenig Hoffnung. So ist der stratosphärische Polarwirbel weiterhin kräftig und symmetrisch, was das Aufbrechen eingefahrener Muster erschwert. Vom Modell angedeutete Splits gelangen kaum zur Reife.

Eingefahrene Muster heißt derzeit, dass sich stromab eines mächtigen Kaltluftkörpers über dem grönländisch-kanadischen Raum ein üppiger Rücken über dem Nordostatlantik manifestiert hat, der permanent ein Bodenhoch etwa bei den Britischen Inseln stützt. Dieses wanderte in den vergangenen rund zwei Wochen mal bis nach Mitteleuropa und dann wieder zurück zu den Britischen Inseln oder etwas westlich davon. Gelangten wir in die Randlage, weil sich das Hoch retrograd zurückzog, konnten Tiefausläufer vorübergehend erwärmte Polarluft nach Deutschland bringen, die vor allem im Bergland erahnen ließen, dass noch Januar ist.

Ähnliche Muster begegnen uns nun zunächst auch in der ab Montag beginnenden Mittelfrist. Der Rücken ist über Westeuropa wiederzufinden mit eigenem Drehzentrum mittags über Benelux. Das zugehörige Bodenhoch (welches wahrscheinlich noch auf den Namen ERICH hört) liegt über den Britischen Inseln und Mitteleuropa als Brücke mit Verbindung zu einem Hoch über Sibirien. Die Frontalzone positioniert sich weit nördlich von uns. Die mit dem Hoch eingeströmten Luftmassen weisen T850 hPa von 0 bis 6 Grad auf, im Südosten hält sich aber noch ein wenig kältere Luft mit T850 von 0 bis -4 Grad.

Am Dienstag und Mittwoch zieht sich das Hoch zunächst zu den Britischen Inseln bzw. nach Westeuropa zurück, nachfolgend schwächt es sich ab und ein neues Azorenhoch springt in die Bresche. Ein Keil des Hochs reicht weiter bis nach Süddeutschland. An der Nordostflanke am Rand des Hochs strömt vorübergehend etwas feuchtere und kühlere Luft mit T850 hPa von 0 bis -5 Grad vor allem in den Nordosten. Im Südwesten bleiben die T850 hPa mit 0 bis 4 Grad dagegen meist positiv. Weil die Frontalzone aber noch außen vor bleibt, sind höchstens geringe Niederschläge zu erwarten.

Am Donnerstag und Freitag gibt es eine Änderung der Wetterlage. Ein Trog steuert über die Britischen und nachfolgend über Mitteleuropa hinweg, das damit verbundene Bodentief mit Zentrum über dem Nordmeer führt seine Ausläufer ebenfalls über Deutschland hinweg. Mit nordwestlicher Strömung wird bei auffrischenden Winden postfrontal überall kältere Luft advehiert, sodass die T850 hPa bei 0 bis -6 Grad liegen. Das ist für einen "Berglandwinter" sicherlich eine geeignete Luftmasse, für das Tiefland stehen die Zeichen dabei aber eher auf "nasskalt".

In der erweiterten Mittelfrist ab Samstag kommender Woche dehnt sich hinter dem nach Osten abziehenden Trog der Rücken wieder bis nach Mitteleuropa aus. Das mit ihm korrespondierende Hoch liegt über der Biskaya und besitzt zeitweilig einen Keil bis nach Süddeutschland. An der Nordostflanke des Hochs können in westlicher bis nordwestlicher Strömung weitere Tiefausläufer auf Deutschland übergreifen. Dabei dürfte es aufgrund des Gradienten recht windig werden. Allmählich wird dann auch wieder mildere Luft eingeschleust, sodass die T850 hPa auf -2 bis 2 Grad steigen.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die grundlegenden Muster werden im heutigen 0 UTC-Lauf im Vergleich zu den beiden gestrigen Läufen beibehalten. Deutliche Unterschiede treten jedoch beim Trog am Donnerstag und Freitag zutage. Dieser ist nun viel schmaler und amplifiziert bis ins zentrale Mittelmeer. Im gestrigen 0 UTC-Lauf war er dagegen noch wesentlich breiter und lag über Skandinavien und Mitteleuropa. Das zugehörige Tief über dem Baltikum war dadurch kräftiger, womit es bei uns durch einen stärkeren Gradienten windiger geworden wäre. Außerdem wäre am Freitag und Samstag hinter dem Trog die Strömung auf Nord gedreht, womit eine kühlere Luftmasse mit T850 hPa von -6 bis -9 Grad unser Land beehrt hätte. Im neuen Lauf gibt es eine westliche bis nordwestliche Strömung, was die Temperatur auf ein höheres Niveau hievt. Am Sonntag wäre die Strömung nach gestrigem Lauf dann allerdings auch auf Nordwest gedreht, womit mildere Luft in unsere Gefilde gelangt wäre. Der gestrige 12 UTC-Lauf zeigte die neue Entwicklung des heutigen 0 UTC-Laufs bereits auf und ist diesem daher sehr ähnlich.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

GFS und ICON sind dem EZMW bis Mittwoch ähnlich und zeigen dann wie bei den Konsistenzbetrachtungen Unterschiede beim Trog am Donnerstag und Freitag. GFS simuliert ihn fast wie der gestrige 0 UTC-Lauf des EZMW, aber noch einen Tick weiter östlich. Damit wäre es vor allem im Nordosten windiger und kälter, im Südwesten würde dagegen der Einfluss des Hochkeils dominieren. Danach setzt sich das neue Hoch über den Britischen Inseln statt über der Biskaya fest, was uns antizyklonaleren Einfluss bringen würde. Die Milderung wird allerdings auch beim GFS prognostiziert. ICON tendiert ab Donnerstag ebenfalls zur GFS-Lösung, dabei ist der Trog jedoch schmaler und nicht so kräftig. Auch bei diesem Modell ist das Wetter daher im Nordosten zyklonal, im Südwesten eher antizyklonal geprägt. GEM ist zunächst dem ICON am nächsten, am übernächsten Wochenende platziert es das neue Hoch über Frankreich. Damit wäre es nur im Norden zyklonal bei allgemein milden Temperaturen. Beim NAVGEM ist der Trog am schwächsten ausgeprägt, sodass am Freitag (Vorhersageende des Modells) bereits wieder überall Hochdruckeinfluss bei eher milden Temperaturen vorherrscht. JMA trägt Züge des GFS, vor allem hinsichtlich der Drehung der Strömung auf Nord am Donnerstag und Freitag hinter dem Trog. Letztlich setzt sich aber auch beim JMA die milde Luft zum übernächsten Wochenende hin durch.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

RAUCHFAHNEN: Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles zeigen für diverse deutsche Städte bereits ab Montag ein Öffnen der Kurven, jedoch nur bei den T850 hPa. Danach gibt es ein Auf und Ab der Temperaturen beim Kontroll- und Hauptlauf, wobei der Median manchmal von diesen abseits liegt. Meist bewegen sich die Temperaturen zwischen +4 und -6 Grad. Der Spread bleibt damit hoch, am Ende beträgt die Spannweite sogar rund 20 Kelvin (+10 bis -10 Grad). Beim Geopot 500 hPa öffnen sich die Kurven erst ab Donnerstag, dann aber deutlich. Das untermauert die Unsicherheit bei Lage und Stärke des Trogs. Bezüglich der Niederschläge sind nach Nordosten hin schwache Signale etwas häufiger fast jeden Tag vorhanden, nach Südwesten hin vornehmlich am Donnerstag und Freitag sowie zum übernächsten Wochenende hin.

CLUSTER: Auch die Cluster bestätigen die Vorhersageunsicherheiten bezüglich des Trogs am Donnerstag und Freitag. So werden für den Zeitraum t+120-168h volle 6 Cluster benötigt, wobei der Trog in jeweils unterschiedlicher räumlicher und quantitativer Ausprägung analysiert wird. Im Zeitraum t+192-240h gibt es nur noch zwei Cluster, beide mit NAO positiv. Bei C1 ist die Strömung ein wenig nordwestlicher als bei C2. Daher könnte nach C1 im Südwesten Hochdruckeinfluss überwiegen. C2 entspricht dagegen größtenteils dem deterministischen Lauf.

FAZIT: Der Hochdruckeinfluss bis Mittwoch ist sicher, wobei es im Westen milder ist als im Osten. Ab Donnerstag wird die Vorhersage unsicher, ein Trogdurchgang, in welcher Form auch immer, ist aber wahrscheinlich. Damit dürfte die Zyklonalität zunehmen. Ob dies nur vorübergehender Natur ist, muss sich aufgrund unterschiedlicher Modellergebnisse erst noch herausstellen. Fast alle Modelle deuten zum übernächsten Wochenende hin aber eine Milderung an. Ein durchgreifender Wintereinbruch bis ins Tiefland ist damit nicht zu sehen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

SCHNEEFALL: EFI zeigt keine Auffälligkeiten bezüglich Schnee. Am Donnerstag und Freitag werden am Alpenrand von den Ensembles jedoch geringe Wahrscheinlichkeiten für jeweils 10 bis 15 cm Neuschnee in 24 Stunden angeboten.

WIND: Auch diesbezüglich hält sich EFI zurück. Bei den Ensembles gibt es ab Mittwoch an der See und ab Donnerstag auch auf den Bergen (außer im Westen und Südwesten) erhöhte Wahrscheinlichkeiten für stürmische Böen Bft 8 und exponiert für Sturmböen Bft 9.

Basis für Mittelfristvorhersage MOSMIX, EZMW, EZMW-ENS



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Simon Trippler