Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Montag, den 10.08.2020 um 10.30 UTC



Zu kräftigen bis unwetterartigen Gewittern neigender Witterungsabschnitt, zunächst noch starke Wärmebelastung.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 17.08.2020

Am Donnerstag, zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraumes, befindet sich Deutschland zunächst noch unter einem Höhenrücken, jedoch schwenkt ausgehend von einem Trog westsüdwestlich Irlands im Tagesverlauf von Frankreich her ein Randtrog in den Westen Deutschlands. Die Achse des Rückens verlagert sich dabei jedoch nur geringfügig ostwärts und liegt abends in etwa auf einer Linie Südostbayern - Deutsche Bucht. Im Bodenfeld zeigen sich nur geringe Luftdruckunterschiede - ein wahrer Tiefdrucksumpf zwischen 1011 und 1015 hPa. Löst man sich die Isobaren 1:1 auf, so kann man eine rinnenartige Struktur erkennen, die sich ausgehend von den einem Tief bei der Normandie (Kerndruck knapp unter 1009 hPa) über das Rhein-Maas-Schelde-Delta über die Mitte Deutschlands bis nach Südostpolen erstreckt. Die mit gewitterträchtiger Luft angefüllte Luft weitet sich somit in etwa bis zu einer Linie Ostfriesland - Vogtland aus. Angesichts von PPW zwischen 30 und 44 mm und MU-CAPE-Werten von über 1000, teils über 1500 J/kg können sich gebietsweise kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial (vor allem hinsichtlich heftigen Starkregens und größerem Hagel) entwickeln. Bei 850-hPa-Temperaturen zwischen 14 und 18 °C wird es wieder heiß, wenngleich die Maxima wegen des langsam zunehmenden Bewölkungsanteils etwas gedämpfter bleiben. Aufgrund der ansteigenden Feuchtigkeit bleibt es aber bei der starken Wärmebelastung.

Am Freitag verlässt die Achse des Höhenrückens Deutschland ostwärts. Alsbald greift ein weiterer kurzwelliger Randtrog auf den Westen und Südwesten des Landes über. Dadurch erfährt die instabile Luftmasse Hebung und es kommt vor allem südwestlich der Elbe (später auch in Schleswig-Holstein) gebietsweise zu kräftigen Gewittern, wobei man bei sehr hohen PPW- (35 bis 45 mm) und MU-CAPE-Werten (teils um 1500 J/kg) wieder schnell im Unwetterbereich landet. Am Boden bleibt es bei den geringen Druckgegensätzen. Während in den Westen und Südwesten rückseitig der Schauer und Gewitter etwas gemäßigtere Luft einsickert (T850 um 12 °C), bleibt es sonst bei T850-Werten um 15 °C.

Am Samstag weitet sich der Trog über Westeuropa mehr nach Süden aus, als dass er ostwärts vorankommen würde. Dadurch gerät Deutschland in ein Nicht-Fleisch-nicht-Fisch-Geopotenzialfeld, wobei jedoch immer wieder kurzwellige Anteile für die gebietsweise Auslöse oder Anfachung von Konvektion sorgen, denn der Tiefdrucksumpf mit T850-Werten zwischen etwa 10 und 15 °C bleibt erhalten. Die Hauptkonvergenzachse verläuft dabei über den Norden und Osten Deutschlands, weshalb wahrscheinlich dort die Hauptaktivität sein wird. In der Nacht zum Sonntag soll sich dann nach Lesart des neueste IFS-Laufes von Westen her ein Kurzwellenrücken hereinschwenken, wodurch sich das Wettergeschehen meist beruhigt. Nur östlich der Elbe stünden dann konvektive Umlagerungen bei zyklonaler Konturierung der Höhenströmung weiterhin auf dem Programm.

Am Sonntag wird der Rücken mit Annäherung des seine Wellenlänge verkürzenden westeuropäischen Troges allmählich abgebaut. Konvergente Strukturen im schwachgradientig ausgeprägten Bodendruckfeld können gleichwohl für die Auslösung von Konvektion sorgen, vor allem im Norden. Dadurch, dass die Strömung wieder stärker auf Südwest dreht, wird noch einmal kräftig Subtropikluft advehiert: Zum Abend erreicht die T850 zwischen 13 °C an der See und 20 °C im Südwesten. In der Nacht zum Montag nähert sich der Trog weiter. Ihm vorgelagert ist eine sich dann immer deutlicher ausprägende Kaltfront eines von England zur Nordsee ziehenden Tiefs. An dieser gibt es schauerartig verstärkte Niederschläge mit eingelagerten Gewittern.

Am Montag gelangt ganz Deutschland in den Einflussbereich des sich immer weiter verjüngenden Troges, die Kaltfront überquert bis zum Tageswechsel das ganze Land von West nach Ost. Der Front vorgelagert kann man eine gut ausgeprägte Rinne erkennen. Dadurch kommt es recht verbreitet zu schauerartigen Niederschlägen mit - auch tagesgangbedingt - kräftigen Gewittern, die bis in den Unwetterbereich gehen können. Präfrontal liegt die Temperatur im 850-hPa-Niveau um 15 °C, postfrontal geht sie mitunter auf unter 10 °C zurück.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen Laufes gegenüber seinen Vorgängern ist gut, es werden keine grundlegend neuen Ideen gezeigt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die mittelfristige Entwicklung wird von den Modellen recht ähnlich gesehen, wobei ICON allerdings eine etwas antizyklonalere und teils wärmere Variante fährt (vor allem am Freitag und Samstag). Ansonsten unterscheiden sich die Modelle eher in Details, die freilich in unterschiedlicher Regionalität konvektiver Ereignisse münden.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen für eine repräsentative Auswahl deutscher Städte zeigt bei der T850 bis einschließlich Freitag, beim 500-hPa-Geopotenzial bis einschließlich Sonntag einen stark gebündelten Verlauf der Kurvenschar. Das Geopotenzial sinkt dabei kaum ab, während die 850-hPa-Temperatur ab Freitag vorübergehend zurückgeht, jedoch trotzdem auf hohem Niveau verbleibt. Zum Sonntag erfolgt abgesehen vom Norden wieder ein Anstieg, was auch von einem Großteil der Ensemblemitglieder so gesehen wird. Der Kaltfrontdurchgang am Montag wird hingegen nicht von allen Membern so simuliert, Haupt- und Kontrolllauf befinden sich dann eher am unteren Ende der Kurvenschar, während sie sich sonst jeweils in etwa mittig in der Kurvenschar und im Bereich der wahrscheinlichsten Lösung befinden. Vermehrte Niederschlagssignale zeigen sich vor allem im Westen, der Mitte und im Süden ab Donnerstag, im übrigen Land ab Freitag.

Zwar gibt es über den gesamten Mittelfristigen Zeitraum sechs Cluster, die alle eine Blocking-Lage zeigen und sich für Mitteleuropa kaum voneinander unterscheiden. Haupt- und Kontrolllauf korrespondieren dabei mit dem ersten Cluster, das mit 17 bzw. 18 Membern auch am stärksten besetzt ist.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Über den kompletten mittelfristigen Vorhersagezeitraum muss mit gebietsweise auftretenden kräftigen Gewittern gerechnet werden, da uns die gesamte Zeit die Trogvorderseite mit dem Tiefdrucksumpf am Boden erhalten bleibt. Angesichts der Luftmasse werden Unwetterwarnschwellen gerade in Bezug auf heftigen Starkregen und größeren Hagel lokal schnell erreicht. Zudem kommt es selbst bei zurückgehender T850 wegen der zunehmenden Schwüle weiterhin zu einer starken Wärmebelastung.

Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOSMix



VBZ Offenbach / M.Sc. Met. Stefan Bach