Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Sonntag, den 27.05.2018 um 10.30 UTC



Schwachgradientige "High-over-Low-Lage" mit labiler subtropikluft über Mitteleuropa, dabei Gewitter mit hohem Unwetterpotenzial bezüglich Starkregens.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 03.06.2018

Im gesamten Mittelfristzeitraum ist eine "High-over-Low-Lage" wirksam. Dabei liegt ein blockierendes Hoch mit seinem Zentrum über dem Nordmeer. Über Europa ist schwacher Tiefdruckeinfluss mit nur sehr schwachen Geopotenzial- und Luftdruckgegensätzen wirksam. Deutschland wird dabei von einer feuchten und labil geschichteten Subtropikluftmasse beeinflusst, die vorderseitig eines Cut-Off-Tiefs über der Biskaya advehiert wird. Bei ML-CAPE-Werten zwischen 1000 und 1500 J/kg muss wiederholt mit Gewittern gerechnet werden, die sich auf Grund der fehlenden Höhenströmung nur langsam verlagern und häufig größere Multizellencluster bilden. Somit besteht ein hohes Unwetterpotenzial bezüglich heftigen Starkregens. Etwas stabilere Luft liegt im Nordosten Deutschlands. Dort besteht ein geringeres Gewitterrisiko. Bei 850-hPa-Temperaturen von 13 bis 15 Grad muss mit Höchsttemperaturen von 27 bis 32 Grad gerechnet werden.

Zum Wochenende verlagert sich das Höhentief über der Biskaya retrograd Richtung Atlantik, sodass die Höhenströmung über Mitteleuropa zunehmend antizyklonaler wird und durch Absinken eine Stabilisierung einsetzt. Auch zu Beginn der neuen Woche verbleibt Deutschland im Einflussbereich eines Höhenkeils unter sehr warmer, aber meist stabil geschichteter Subtropikluft.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Der neue ECMWF-Lauf zeigt keine wesentlichen Unterschiede zu den Vorläufen. Der Trog über Skandinavien, der in den alten Läufen zu Beginn der neuen Woche gerechnet wurde und trockenere, etwas kühlere und stabilere Luft aus Nordosten heran führen sollte, ist im neuen Lauf kaum noch ausgeprägt.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

GFS zeigt bis zum Freitag keine Unterschiede zu ECMWF. Erst zum Wochenende zeigt GFS eine stärkere retrograde Verlagerung des Nordmeerhochs Richtung Grönland, wodurch sich stromabwärts ein kräftigerer Trog über Skandinavien ausbildet, der dann zu Beginn der neuen Woche kühle Polarluft nach Norddeutschland führt (850-hPa-Temperatur um 0°C). Dagegen hält das Cut-off-Tief, das sich von der Biskaya zur Iberischen Halbinsel verlagert hat und weiterhin vorderseitig labile Subtropikluft in den Süden Deutschlands führt (850-hPa-Temperatur um 15 °C). Dadurch kommt es zu einer sehr stark ausgeprägten Luftmassengrenze über der Mitte Deutschlands, die aber erst durch weitere Austrogung des Skandinavientrogs Richtung Westeuropa ab Dienstag aktiviert wird.

Bei GEM verhindert ein Langwellentrog, der über der Labradorsee austrogt eine weitere Verschiebung des Hochs nach Grönland. Das Hoch verschiebt sich in Folge dessen auf den Atlantik, der Skandinavientrog ist nur schwach ausgeprägt und bildet bald einen Cut-Off, der sich auf den Weg nach Südskandinavien macht. Deutschland würde dadurch in der Höhe von einem schwachen Trog beeinfluss, wodurch besonders im Norden Abkühlung einsetzen würde.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

In den ECMWF-Ensembles verharren die Temperaturen in den Rauchfahnen bis Freitag recht einheitlich auf hohem Niveau. Zum Wochenende zeigen dann die neuen ECMWF-ENS eine Bifurkation für den Nordosten Deutschlands. Während die Hälfte der ENS auf hohem Niveau verharrt, zeigt der andere Teil eine deutliche Abkühlung. In den anderen Gebieten gibt es bei wachsender Streuung nur einen geringen Abkühlungstrend. Die kalten Rechnungen sind aber deutlich in der Unterzahl. Bei GFS ist diese Bifurkation nicht zu finden (alle Läufe warm). Allerdings gleiten die ENS ab Montag in den 850 hPa-Temperaturen vollständig ins Chaos ab. Nur die Niederschlagssignale bleiben im Nordosten auch dann noch gering.

Bis Freitag sind tagsüber in den ECMWF-Ensembles vorwiegend in der Südwesthälfte stark streuende Niederschlagssignale zu sehen, die auf Gewitter hinweisen. Zum Wochenende sind die Hinweise auf Niederschlag schwächer. Auch die CAPE-Werte gehen allmählich zurück. Im Nordosten werden auch bis Freitag kaum Niederschläge bzw. CAPE berechnet.

Fazit: Die Prognose scheint bis Freitag ziemlich sicher: Bei leichtem Tiefdruckeinfluss in der gradientschwachen Lage bilden sich in der Subtropikluftmasse wiederholt Gewitter mit Starkregen. Im Nordosten besteht nur geringes Gewitterrisiko. Am Wochenende kann es dann im Nordosten zu einer Abkühlung kommen, wahrscheinlich bleibt es aber noch sommerlich warm und trocken. Ansonsten schwächt sich die Gewittertätigkeit unter einem Höhenhoch ab.

Zu Beginn der neuen Woche ist die Vorhersage dann ziemlich unsicher. Im Süden bleibt es mit höherer Wahrscheinlichkeit warm, als im Norden. Die Trockenheit im Nordosten wird sich aber wahrscheinlich fortsetzen.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Bei CAPE-Werten um 1000 bis 1500 J/kg und nur geringer Höhenströmung besteht bis Freitag ein hohes Gewitterrisiko. Auf Grund der geringen Verlagerung der Gewitter besteht ein hohes Unwetterpotenzial bezüglich heftigen Starkregens. Ab dem Wochenende nehmen CAPE und Niederschlagssignale in den ENS stärker ab, sodass das Unwetterrisiko nur sehr gering ist.

Basis für Mittelfristvorhersage ECMWF, MOSMIX



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Christian Herold