Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Montag, den 19.10.2026 um 10.30 UTC



Zyklonal geprägter, windiger Witterungsabschnitt (Freitag bis Sonntag auch stürmisch) mit häufigen Niederschlägen, aber auch noch mit großen Modelldifferenzen.

Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 26.10.2026

Zum Auftakt des Mittelfristzeitraumes, am Donnerstag, ist die Umstellung hin zu einem sehr zyklonalen Witterungsabschnitt bereits in vollem Gange. Unser Blockadehoch "GERHARD" hat sich inzwischen weit nach Nordosteuropa zurückgezogen und macht über Mitteleuropa den Weg frei für eine erste Trogpassage von Westen her. Bis Freitagfrüh hat der in mindestens zwei Teiltröge gesplittete Höhentrog das Vorhersagegebiet überquert. Die korrespondierende teilokkludierte Kaltfront eines von der mittleren Nordsee zum Nordmeer ziehenden Tiefs ist bereits in der Vornacht Richtung Polen abgezogen und somit steht am Donnerstag bei Zustrom maritim erwärmter Polarluft (T850 hPa 0 bis 3 Grad) klassisches Rückseitenwetter auf der Agenda mit einzelnen Schauern, eventuell auch kurzen Gewittern vor allem in der Nordwesthälfte des Landes. Dazu gibt es über der Nordsee und in Gipfellagen stürmische Böen aus West bis Südwest.

Bereits am Donnerstag tagsüber kommt es dann am linken Ausgang eines Jets südwestlich von Irland zu einer Sturmtiefentwicklung. In der Nacht zum Freitag überquert das Sturmtief den Nordwesten Frankreichs und füllt sich auch über Land nur langsam auf. Freitagmittag greift es nach Lesart des IFS auf den Westen Deutschlands über, schlägt dann einen Nordkurs ein und zieht bis Samstagfrüh ins Seegebiet knapp nördlich der Deutschen Bucht. Das zugehörige Frontensystem überquert das Vorhersagegebiet rasch nordostwärts, vor allem in Staulagen reicht es eventuell kleinräumig für warnrelevante Regenmengen, die aber kaum einen Impact haben dürften, im Lee der Berge, vor allem nach Osten und Süden zu, kommen kaum nennenswerte Mengen zusammen. Spannend gestaltet sich hingegen die Windentwicklung: Aufgrund der südlichen Zugbahn des Tiefs überquert das Sturmfeld vor allem den Südwesten und Westen bzw. die Mitte des Vorhersagegebietes, in der Nacht zum Samstag und Samstagvormittag dann den Nordwesten bzw. Norden. Dort muss auch im Tief- bzw. Binnenland mit stürmischen Böen, vereinzelt sogar mit Sturmböen gerechnet werden, in Gipfellagen und Samstagfrüh bzw. -vormittag im Nordseeumfeld mit schweren Sturmböen.

Am Samstag überquert der mit dem sich nur langsam auffüllenden und zur nördlichen Nordsee ziehenden Tiefdruckgebiet interagierende Höhentrog das Vorhersagegebiet nordostwärts mit Schauern und auch einzelnen kurzen Gewittern. Dabei bleibt es vor allem im Nordseeumfeld stürmisch, auch in einigen Gipfellagen kann es noch Sturmböen geben. Die Temperatur in 850 hPa sinkt auf etwa 0 Grad, in den Hochlagen der Alpen fällt somit etwas Schnee.

Bereits in der Nacht zum Sonntag entwickelt sich vorderseitig eines Richtung Nordsee vorstoßenden Troges unterhalb eines linken Jetausgangs das nächste Sturmtief über dem Ärmelkanal und zieht am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag über die Mitte und die Osthälfte Deutschlands hinweg ostnordostwärts. Das Sturmfeld überquert somit nach Lesart des IFS insbesondere die Südhälfte, Teile der Mitte und in der Nacht zum Montag dann auch die Osthälfte des Landes. Erneut kann es bis in tiefe Lagen stürmische Böen, exponiert eventuell auch Sturmböen aus Südwest bis West geben, in den Gipfellagen schwere Sturm- bis Orkanböen. Mit Passage des Frontensystems bzw. des Tiefs fällt verbreitet Regen, Warnschwellen für Dauerregen werden aber lediglich kleinräumig im Stau einiger Mittelgebirge erreicht, wenn überhaupt.

Das Sturmtief erreicht nach Lesart des IFS Montagfrüh in etwa die Odermündung und füllt sich weiter auf. Es kommt aber nur sehr langsam ostnordostwärts voran, da der zugehörige Höhentrog nach Passage des Vorhersagegebietes durch den nach wie vor blockierenden kräftigen Höhenrücken über Ost- und Nordosteuropa und durch einen von Westen her bis Dienstagfrüh auf den Westen Deutschlands übergreifenden kräftigen Höhenkeil in die Zange genommen wird, kaum mehr nach Osten vorankommt und zum Abtropfen neigt. Somit kann es an dessen Südwestflanke über dem Nordosten Deutschlands noch längere Zeit kräftig regnen, eventuell reicht es dort für Dauerregen, zudem gibt es in der Osthälfte bis in die Niederungen tagsüber weiterhin stürmische Böen. Im Rest des Landes stellt sich alsbald eine Wetterberuhigung ein mit nur noch einzelnen Schauern, im Westen und Süden bleibt es meist trocken mit längeren sonnigen Abschnitten.

In der erweiterten Mittelfrist simuliert das IFS dann zwischen einem Tiefdruckkomplex über Island bzw. dem Nordmeer und einer von den Azoren über Frankreich und Süddeutschland bis nach Südeuropa reichenden Hochdruckzone eine insgesamt eher wieder antizyklonal geprägte West- bis Südwestlage über dem Vorhersagegebiet, wobei atlantische Frontensysteme aber immer wieder den Nordwesten und Norden des Landes überqueren und zwar auch mal weiter nach Süden ausgreifen können, allerdings nur deutlich abgeschwächt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Den zyklonalen Witterungsabschnitt bis mindestens zu Beginn kommender Woche haben auch die beiden gestrigen IFS-Läufe im Programm, dennoch gibt es vor allem bzgl. der Entwicklung und Zugbahn der beiden Sturmtiefs von Freitag bis Montag noch größere Differenzen. Diese Unterschiede setzen bereits am Donnerstag mit der Geometrie des das Vorhersagegebiet überquerenden ersten Höhentroges und mit Zugbahn bzw. Entwicklung des zugehörigen kleinen Tiefdruckgebietes ein. Der aktuelle Lauf und der gestrige 00 UTC-Lauf simulieren Trog und Tief etwas ausgeprägter und die Trogpassage entsprechend weniger progressiv als der gestrige 12 UTC-Lauf. Das bleibt nicht ohne Auswirkung des nachfolgenden Troges und der dazugehörigen Sturmtiefentwicklung. Sowohl Trog als auch Bodentief werden durch das verzögerte Abziehen des vorlaufenden Höhentroges auf südlicherer Zugbahn simuliert als im gestrigen 12 UTC-Lauf. Dieser simuliert das Sturmtief, statt über Nordwestdeutschland bzw. der Deutschen Bucht, über der mittleren Nordsee und lässt es dann Richtung Skagerrak ziehen. Das Sturmfeld an dessen Südflanke wird sogar etwas markanter simuliert, greift aber nicht so weit nach Süden aus wie in den 00 UTC-Läufen. Noch größer sind die Modelldifferenzen dann bzgl. der nächsten Entwicklung am Samstag und Sonntag. Die beiden gestrigen Läufe simulieren einen kräftigen Kaltluftvorstoß aus dem grönländischen Raum Richtung Island und entsprechend eine Sturmtiefentwicklung über dem Seegebiet zwischen Island und Schottland. Das Sturmtief zieht dann bis zur Nacht zum Montag nach Lesart beider Läufe zur südlichen Norwegischen See, wobei das Sturmfeld am Sonntag vor allem Nordwest- und Norddeutschland (nach Lesart des gestrigen 00 UTC-Laufes auch noch den Südwesten und die Mitte) erfassen würde mit Böen Bft 8, vereinzelt Bft 9 insbesondere mit der Kaltfrontpassage. Bis Montag zieht das Tief über der Norwegischen See langsam nordwärts und füllt sich allmählich auf. Im gestrigen 00 UTC-Lauf herrscht dann am Montag mit der Passage des zugehörigen Höhentroges typisches Rückseitenwetter mit Schauern, einzelnen Gewittern und nachfolgender Wetterberuhigung. Der gestrige 12 UTC-Lauf simuliert dagegen ein am Montag über die mittlere Nordsee nach Südskandinavien ziehendes Wellentief mit Regenfällen über dem Norden und der Mitte Deutschlands und nach wie vor stürmischen Böen über dem äußersten Norden, insbesondere an den Küsten. Ganz anders der aktuelle 00 UTC-Lauf, nach dessen Lesart die Sturmtiefentwicklung, wie weiter oben beschrieben, deutlich weiter südlich erfolgt, nämlich südwestlich von Irland, was natürlich erhebliche Konsequenzen auf die Niederschlags- und Windprognosen hat. In der erweiterten Mittelfrist dauert auch nach Lesart der gestrigen Läufe die West- bis Südwestlage an, wird vor allem im gestrigen 12 UTC-Lauf aber insgesamt etwas zyklonaler geprägt simuliert.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Auch beim Vergleich mit anderen vorliegenden Globalmodellen sticht die südlichere Zugbahn beider Sturmtiefs deutlich ins Auge. Während das Sturmtief am Freitag und Samstag auch vom GEM und UK10 recht weit südlich simuliert wird, steht das IFS mit der Entwicklung am Sonntag/Montag jedoch alleine auf weiter Flur, selbst, wenn man die KI-Modelle des IFS und des GFS mit zu Rate zieht. Das ICON hat dann ebenfalls eine südlichere Zugbahn als die anderen Modelle auf der Agenda und lässt das Tief über die mittlere Nordsee und das Kattegat nach Südskandinavien ziehen. Das Sturmfeld würde quasi das gesamte Vorhersagegebiet betreffen, vor allem an den Küsten sowie im angrenzenden norddeutschen Binnenland simuliert das Modell sogar schwere Sturm- bis orkanartige Böen, an der Nordsee und in den Gipfellagen in der Nacht zum Montag volle Orkanböen. Auch im Binnenland sind dann mit Passage der aktiven Kaltfront schwere Sturmböen möglich.

In der erweiterten Mittelfrist ist das GFS eher etwas zyklonaler (Wz bzw. SWz), das GEM dagegen ein wenig antizyklonaler (BM) aufgestellt als das IFS.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Eingangs der Mittelfrist, im Zeitraum 72 bis 96 Stunden, verteilen sich die 51 ENS-Member auf 5 Cluster, die allesamt zwar nach wie vor das blockierende Hoch über Nordosteuropa auf der Agenda haben, aber ebenso den Trogvorstoß von West- auf Mitteleuropa (Großwetterlagenregime Übergang von Blocking auf NAO positiv). Die Geometrie des von West- Richtung Mitteleuropa gerichteten Troges sowie das kleinräumige Sturmtief am Freitag werden bereits mit kleineren Differenzen simuliert, je nach Blockadewirkung des Hochs. Die Differenzen werden größer im nächstfolgenden Zeitraum (120 bis 168 Stunden), obwohl sich die Member dann auf lediglich drei Cluster verteilen. CL 1 (26 Member) ähnelt der vom Hauptlauf simulierten Entwicklung noch am ehesten mit einem weit nach Süden ansetzenden Trogvorstoß über Westeuropa und der südlichen Zugbahn des Sturmtiefs am Sonntag, wobei der Hauptlauf eine noch südlichere Variante auf der Agenda hat. Das Potenzial für stürmische Böen bzw. Sturmböen im Vorhersagegebiet wäre nach dieser Variante noch am höchsten. CL 2 (14 Member) und vor allem CL 3 (11 Member) zeigen das zentralsteuernde Tief am Sonntag und Montag weiter nördlich (CL 2 über Schottland/Färöer, CL 3 über dem Raum Island), so dass sich die Windentwicklung im Vorhersagegebiet etwas "entspannter" gestalten würde.

Die erweiterte Mittelfrist hat dann vier Cluster auf der Agenda: CL 1 und CL 2 (jeweils 14 Member) sind dem Großwetterlagenregime "NAO positiv" zugeordnet mit nach wie vor zentralsteuernden Tiefs über Nordwesteuropa und Südwest- bzw. Westlagen über Mitteleuropa, wobei CL 1 für unseren Vorhersagebereich etwas antizyklonaler aufgestellt ist als CL 2. Dennoch bleibt es nach Lesart beider Cluster unbeständig, wobei die Frontenpassagen über Norddeutschland wetterwirksamer ausfallen als über der Südhälfte. Insgesamt bleibt es relativ mild und auch zeitweise windig mit stürmischen Böen aber lediglich an den Küsten, maximal noch in Norddeutschland. CL 3 und 4 (12 bzw. 11 Member) schwenken dagegen wieder zu einem ausgeprägten Blocking über Ost- und Mitteleuropa. Atlantische Frontensysteme würden nach Lesart beider Cluster lediglich den Nordwesten und Norden Deutschlands passieren, in der Mitte und im Süden dominiert Hochdruckeinfluss.

Der Spread der Kurvenschar der 850 hPa-Temperaturen der Einzelmember verschiedener Rauchfahnen im Vorhersagegebiet ist generell aufgrund der Unsicherheiten der Zugbahnen der Tiefdruckgebiete und damit auch der Frontpassagen im gesamten Zeitraum hoch. Generell steigt der Median der 850 hPa-Temperatur nach Durchschwenken der Tröge zu Beginn kommender Woche mit Umstellung auf milde Südwest- und Westlagen aber mehr oder weniger deutlich an. Ausschläge nach unten sind dagegen keine auszumachen, nur selten geht es in einigen Einzelläufen im Zeitraum Freitag bis Sonntag mal auf unter 0 Grad. Vor allem am Wochenende zeigen die Rauchfahnen deutliche Niederschlagssignale für mehr oder weniger alle vorliegenden Gitterpunkte.

FAZIT: Unbeständig und windig, von Freitag bis zur Nacht zum Montag zeit- und gebietsweise auch in den Niederungen bzw. im Tiefland stürmisch. Auch, wenn die vom ICON-Lauf gezeigte Variante für den Sonntag bzw. vor allem für die Nacht zum Montag eine durchaus markante und gefährliche Sturmlage aktuell Alleinstellungsmerkmal hat, sollte man diese nicht komplett unter den Tisch fallen lassen. Wichtiger ist nach der Vorgeschichte sowieso die Niederschlagsentwicklung. Das noch vorhandene Defizit in weiten Teilen des Landes kann sicherlich nicht ausgeglichen werden, dennoch stehen von Freitag bis Montag einigermaßen flächendeckende Niederschläge ins Haus.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Im Fokus der signifikanten Wettererscheinungen steht insbesondere ab Freitag bis Montag der Wind. EFI hat insbesondere am Freitag, weniger am Sonntag Signale für eine außergewöhnliche Windentwicklung auf der Agenda, allerdings eher über dem Süden der Britischen Inseln und über Frankreich/Belgien, wobei der Westen Deutschlands dabei nur am Rande tangiert wird. Böen Bft 7 bis 8, vereinzelt Bft 9 sind für das Vorhersagegebiet Mitte/Ende Oktober nun mal nicht mehr so außergewöhnlich. Die Wahrscheinlichkeiten für Böen Bft 8 fallen nach Lesart der EPS-Verfahren im Binnen- bzw. Tiefland West- und Norddeutschlands sowieso nicht allzu hoch aus. Fazit: Windig wird's, in einigen Regionen reicht es sicherlich auch für stürmische Böen, vor allem in Verbindung mit eventuellen Gewittern, Böen in Sturmstärke beschränken sich aber wohl hauptsächlich auf die Küsten und die Gipfellagen.

Die Windentwicklung am Sonntag bzw. in der Nacht zum Montag wird vom ICON noch am markantesten simuliert. Diese Einzellösung wird allerdings nicht von den EPS-Verfahren gestützt. Erneut werden abseits der Küsten und Gipfellagen lediglich leicht erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Bft 8 simuliert, Bft 9 taucht am ehesten vielleicht noch im ICON-EPS im Nordwesten auf. Dennoch erscheint auch die ICON-Variante, die eine flächendeckende Sturmlage am Sonntag und in der Nacht zum Montag zur Folge hätte mit Orkanböen an der Nordsee, nicht unbedingt unrealistisch.

Des Weiteren kann es in den Staulagen einiger Mittelgebirge vor allem am Freitag und Sonntag Dauerregen geben. Dieser weist aber nur wenig Impact auf und steht nicht wirklich im Fokus.

Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOSMIX



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Jens Winninghoff