Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Dienstag, den 23.04.2019 um 10.30 UTC



Umstellung der Wetterlage. Nach Kaltfrontpassage am Freitag merklich kühler und wechselhaft.

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 30.04.2019

Zu Beginn des mittelfristigen Vorhersagezeitraums am Freitag befindet sich Deutschland vorderseitig eines Höhentroges, der sich über die Britischen Inseln und Frankreich hinweg bis zur Iberischen Halbinsel erstreckt. Korrespondierend dazu befindet sich im Bodendruckfeld eine umfangreiche Tiefdruckzone mit mehreren Kernen, von der aus eine Rinne bis nach Mitteleuropa reicht. Dem Höhentrog vorgelagert ist die Kaltfront eines Tiefs mit Kern nordwestlich der Hebriden. Sie greift bereits in der Nacht zum Freitag von Westen auf Deutschland über und hat uns bis zum Abend weitgehend ostwärts überquert. Mit Kaltfrontpassage erfolgt eine merkliche Abkühlung, wobei die Temperatur in 850 hPa auf 3 bis 1 Grad absinkt. Während sich präfrontal in der zunächst noch warmen Luftmasse (T850 hPa 10 bis 13 Grad) einzelne Schauer und Gewitter entwickeln, kommt es im Bereich der Kaltfront gebietsweise zu stratiformen, aber meist nur leichten Niederschlägen.

Am Wochenende greift zunehmend der nachfolgende Höhentrog auf Deutschland über, wobei ausgehend davon ein Höhentief abtropft. Es richtet sich schließlich häuslich über Mitteleuropa ein und bewegt sich auch zu Beginn der kommenden Woche nur wenig von der Stelle, sodass zeitweise mit weiteren Niederschlägen zu rechnen ist. Dabei weist das Höhentief zunächst mehrere Drehzentren auf, woraus schließlich zu Beginn der Woche ein abgeschlossenes und für unser Wetter relevantes Höhentief über dem Westen des Landes resultiert. Es ist auch im Bodendruckfeld mit einem kleinräumigen Tief verbunden, in dessen Umfeld vor allem in der Westhälfte weiterer Regen zu erwarten ist, während der Regen sonst nachlässt. Allerdings entfernen sich Höhen- und Bodentief im weiteren Verlauf westwärts. Nachfolgend setzt sich Zwischenhocheinfluss durch, sodass der Dienstag weitgehend trocken bleiben soll. Insgesamt bleibt die kühlere Luftmasse aber erhalten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des EZMW-Modells lässt ab Samstag zwar nach, dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich die Wetterlage im mittelfristigen Vorhersagezeitraum umstellt.

Unklar ist auch aus heutiger Sicht noch, wie die genaue Niederschlagsverteilung aussieht und mit welchen Mengen zu rechnen ist. Denn die Lage und Zugbahn der Tiefdruckgebiete wird von den letzten Läufen des EZMW-Modells unterschiedlich prognostiziert. Der größte Unterschied besteht sicherlich im Abtropfen des Höhentiefs über Mitteleuropa, was in den gestrigen Läufen noch nicht gezeigt wurde. Im Gegenteil, nach den gestrigen Läufen war stattdessen am Montag ein flacher Höhenrücken erkennbar, der auch im Bodendruckfeld mit antizyklonalem Einfluss über Mitteleuropa verbunden war. Aber auch in den gestrigen Läufen war dieser Hochdruckeinfluss nur von kurzer Dauer.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Die Umstellung der Wetterlage hin zu einem zyklonal geprägten und damit wechselhaften Witterungsabschnitt wird auch von GFS und ICON unterstützt. Ähnlich wie bei der Konsistenzbetrachtung zeigen sich aber auch beim Modellvergleich unterschiedliche Positionen der Höhen- bzw. Bodentiefs, was wiederum Auswirkungen auf die Niederschlagsverteilung und Intensität hat. Schaut man sich die akkumulierten Niederschlagsmengen der drei Modelle bis einschließlich Dienstag an, so zeigen zwar alle drei Modelle den Niederschlagsschwerpunkt im Westen bzw. in der Westhälfte Deutschlands. Insgesamt sind aber die Regenmengen bei GFS am höchsten (im Westen gebietsweise 40 bis 60 mm, teilweise sogar darüber), wobei auch der Osten Deutschlands einiges an Regen bekommen würde (etwa 20 bis 40 mm). Auf Basis von ICON und EZMW hingegen fallen die Niederschlagsmengen insgesamt und insbesondere in der Osthälfte deutlich geringer aus. Insofern ist die genaue Niederschlagsentwicklung noch unsicher.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahne für Offenbach besitzt bezüglich des Temperaturverlaufs über den gesamten Zeitraum hinweg einen nur geringen Spread, sodass die Temperaturentwicklung als relativ sicher bezeichnet werden kann. Häufigere Niederschlagssignale deuten auf den eher wechselhaften Charakter hin, wenngleich die Mengen nicht allzu hoch sind. Aber man muss ja derzeit mit jedem Tropfen Regen zufrieden sein. Einen etwas größeren Spread weist der Verlauf des Geopotentials auf, wobei sich Haupt- und Kontrolllauf am Wochenende und zu Beginn der neuen Woche am unteren Rand des Ensembles befinden. Insofern ist bezüglich der Ausprägung der Zyklonalität noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Das bestätigt auch die Clusterung des EZMW, die für die Zeiträume t+72 bis 96 und t+120 bis 168 jeweils vier Cluster aufweist. Für den ersten Zeitraum ergeben sich für Mitteleuropa noch keine signifikanten Unterschiede. Für den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag zeigen sich aber auch in der Clusterung die Unsicherheiten bezüglich der Position und Ausprägung des Höhentroges bzw. Höhentiefs.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Am Freitag besteht im Osten eine geringe Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einzelner Gewitter. Sollten sich Gewitter bilden, können diese mit markantem Starkregen, kleinkörnigem Hagel und Sturmböen verbunden sein. Am Sonntag und Montag sind im Westen und Südwesten im Bereich des Höhentiefs einzelne kurze Gewitter nicht ausgeschlossen.

Sonst gibt es voraussichtlich keine Wettergefahren.

Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix, EZMW-EPS



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Johanna Anger