Synoptische Übersicht - Kurzfrist

ausgegeben am Dienstag, den 23.04.2019 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen: Heute im Norden und Osten und teils auch in der Mitte verbreitet stürmische Böen aus Ost, auf höheren Berggipfeln teils schwere Sturmböen. Außerdem an den Alpen aufkommender Föhn mit Sturmböen in den Hochlagen. In der Nacht zum Mittwoch abflauender Wind, in den östlichen Mittelgebirgen weiterhin Böen bis Sturmstärke. Morgen im späteren Tagesverlauf im Südwesten und Westen aufkommend Gewitter, bis auf die Mitte übergreifend. Gefahr von Sturmböen, schwere Sturmböen nicht ausgeschlossen. Am Donnerstag im Südwesten und ganz im Westen erneut einzelne Gewitter, Sturmböen jedoch weniger wahrscheinlich als am Mittwoch. Am Freitag im Tagesverlauf im Nordosten und ganz im Osten Entwicklung einzelner und zum Teil heftiger Gewitter, dabei Gefahr von Starkregen.

Synoptische Entwicklung bis Freitag 12 UTC

Aktuell ... liegt Deutschland zwischen einem blockierenden Hoch über den Baltischen Staaten und Nordwestrussland und einem lang gestreckten Trog, der vom mittleren Nordatlantik über die Iberische Halbinsel hinweg bis zum Atlasgebirge reicht. Mit der hieraus resultierenden südlichen Strömung ist Warmluft subtropischen Ursprungs nach Mitteleuropa gelangt. In diese Strömung sind schwache Kurzwellentröge eingelagert, deren Hebung immerhin für hohe und teils auch mittelhohe Bewölkung hinreichend war, die im Süden und Westen die Sonneneinstrahlung stark verminderte und die Temperaturen deutlich unter denen von statistischen Verfahren erwarteten (und auch an den Vortagen aufgetretenen) Werten blieben. Diese Abschirmung hat trotz der labilen Schichtung und der Feuchte in diesen Gebieten (der Gehalt an niederschlagbarem Wasser lag immerhin bei Werten bis 20 mm) die Konvektion wirkungsvoll unterbunden. Im Nordosten Deutschlands ist ein schwacher Kaltlufttropfen wetterwirksam, der sich über Schleswig-Holstein hinweg in die Nordsee verlagert. Die rückseitige Labilisierung kann für einzelne Schauer reichen, die von Polen her auf Deutschland übergreifen. Für Gewitter ist die Labilität zu gering und die Konvektion zu flach. An den Alpen kommt, bedingt durch die südliche Strömung, Föhn in Gang, wobei Böen bis Sturmstärke vorerst nur auf exponierte Berglagen beschränkt sind. Die durch diese Kurzwellentröge ausgelöste Hebung hat im Westen und Südwesten Druckfall bewirkt, so dass sich zu dem nahezu stationären kräftigen Bodenhoch über Osteuropa ein kräftiger Gradient entwickeln konnte. Im Norden, Osten und zum Teil auch in den mittleren Gebieten traten Wind- und verbreitet stürmische Böen, in den Kamm- und Gipfellagen der östlichen und nördlichen Mittelgebirge Sturm- und einzelne schwere Sturmböen auf. Mit dem Übergreifen des Druckfalls weiter nach Nordosten wird der Gradient auch in diesen Gebieten allmählich aufgeweicht, so dass der Wind weitgehend abflaut und ausgangs der Nacht Windböen auf die Küste und stürmische Böen auf das östliche Bergland beschränkt bleiben.

Mittwoch ... schwenkt der von dem Langwellentrog über dem nahen Ostatlantik ausgehende Kurzwellentrog von der Iberischen Halbinsel nach Nordfrankreich, wobei dessen Achse zu den Westalpen gerichtet ist. Vorderseitig verstärkt sich die südliche Strömung (und damit auch der Föhn an den Alpen) und die Zufuhr von Subtropikluft. Hierdurch entwickelt sich, ausgehend vom Schweizer Mittelland, ein flaches Tief, das rasch auf den Südwesten Deutschlands übergreift. Nachfolgend dringt eine Kaltfront bis in den Westen Deutschlands vor. Im Bereich des flachen Tiefs, das eine rinnenartige Struktur annimmt, ist die Schichtung hinreichend labil; zudem erfolgt trogvorderseitig an den Westalpen vorbei ein Feuchteeinschub, so dass die Voraussetzungen für heftige Gewitter gegeben sind. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser steigt auf ca. 25 mm, CAPE erreicht mehr al 500 J/kg, die Scherung (vor allem bis in mittlere Troposphärenschichten hinauf reichend) ist als Indiz für organisiertere Strukturen hoch reichender Konvektion zu sehen. Dabei ist innerhalb der Tiefdruckrinne die Entwicklung einer Gewitterstaffel vorstellbar, die am Abend und etwa bis Mitternacht rasch nordostwärts bis in die mittleren Gebiete ausgreift und mit Böen bis Sturmstärke einhergeht. Schwere Sturmböen sind dabei in den Abendstunden nicht auszuschließen. Ein Oberwind, der im 850 hPa-Niveau 50 kt erreicht, ist durchaus Indiz für derartige Böen. Einige hoch auflösenden Modelle zeigen hierfür typische Strukturen. Starkregen spielt aufgrund der raschen Verlagerung der Konvektionszellen nur eine geringe Rolle und ist somit als wenig wahrscheinlich anzusehen. Gegen unwetterartige Entwicklungen spricht die Tatsache, dass der Kurzwellentrog relativ rasch von Kaltluftadvektion überlaufen wird und die Trogachse, an deren unmittelbarer Vorderseite der stärkste Hebungsimpuls zu finden ist, noch zu weit entfernt vom Wettergeschehen ist. Zuvor sind noch einmal sommerliche Temperaturen zwischen 22 und 27 Grad zu erwarten. Nur an der Küste und in den westlichen Mittelgebirgen wird es mit 16 bis 21 Grad nicht so warm. In der Nacht zum Donnerstag greift die o.g. Tiefdruckrinne rasch über die Elbe hinweg nordostwärts über. Da der Trog unter beginnender Auffüllung dieser Rinne in einigem Abstand folgt, wird die Hebung rasch schwächer, die Rinne büßt ihre Struktur ein und nach Mitternacht sollte daher spätestens die Gewittertätigkeit abklingen. Mit der Passage des Troges setzt eine süd-südwestliche Strömung ein. Die Kaltfront, die faktisch diese Tiefdruckrinne einholt, verliert nach Nordosten hin an Wetterwirksamkeit, so dass in diesen Gebieten keine nennenswerten Niederschläge mehr fallen. Für den Süden und Südosten ergibt sich dann schwacher Zwischenhocheinfluss. Dort, wo es zuvor viel geregnet hatte, können sich flache Nebelfelder bilden.

Donnerstag ... verlagert sich vom nahen Ostatlantik kommend der Haupttrog zur Iberischen Halbinsel und zu den Britischen Inseln. Dies lässt die Strömung erneut aufsteilen und im Westen etwas zulegen. Da die Strömung nicht ganz glatt ist und ein wenig "flattert", wird weiterhin Hebung generiert. Die meiste Feuchte ist dabei ganz im Nordosten zu finden, was aus den dort noch vorhandenen Kaltfrontresten resultiert. In den Westen und in den Südwesten gelangt an den Westalpen vorbei ebenfalls feuchtere Luft. Ansonsten ist die Luftmasse, bedingt durch die Überströmung der Alpen, relativ trocken. Mit anderen Worten, Gewitter sind weniger wahrscheinlich als am Mittwoch. Zwar wird wie am Vortag erneut, ausgehend vom Südwesten, die Bildung einer flachen Tiefdruckrinne simuliert, in der sich Gewitter entwickeln können. Da Feuchte, Scherung und Labilität geringer ausgeprägt sind als am Vortag, sollten diese Gewitter (sofern sich welche entwickeln) weniger heftig ausfallen als am Mittwoch, d.h. allenfalls mit stürmischen Böen einhergehen. Die Tageshöchsttemperaturen ändern sich gegenüber Mittwoch nur unwesentlich. Zwar weist die Luftmasse einen eher etwas gemäßigteren Charakter auf, aber es ist weniger Bewölkung vorhanden. Im Osten sind längere sonnige Abschnitte vorstellbar, so dass es dort mit Maxima bis 28 Grad noch etwas wärmer werden kann als am Vortag. In der Nacht zum Freitag rückt der Trog nur wenig nach Osten vor, so dass die südliche Strömung bestehen bleibt. Dabei kann ein weiterer Kurzwellentrog auf die Westalpen übergreifen, wobei Kaltluftadvektion die Hebung, die auf den Westen Deutschlands übergreift, kompensiert. Zwar reicht die Hebung an der diesem Trog vorgelagerten Kaltfront noch für Niederschlag in diesen Gebieten, mehr als 10 mm sollten aber selbst in Staulagen nicht zusammenkommen.

Freitag ... greift der Trog bis auf Ostfrankreich über und weitet sich nach Süden bis nach Tunesien aus. Hierdurch wird die Kaltfront nach Osten gedrückt und überquert den gesamten Süden Deutschlands, wird aber im Nordosten rückläufig, d.h. die nordöstlichen Teile Deutschlands, genauer gesagt zwischen Ostsee und Erzgebirge, verbleiben noch in der mäßig warmen und durchaus labil geschichteten Luftmasse. Da dort die Kaltluftadvektion noch nicht einsetzt, kann die Hebung ihre volle Wirkung entfalten, so dass die Voraussetzungen für heftige Gewitter gegeben sind. Der Gehalt an niederschlagbarem Wasser erreicht annähernd 30 mm (also mehr als zuvor im Westen), CAPE mehr als 1000 J/kg, so dass unwetterartige Entwicklungen durch heftigen Starkregen (aufgrund der langsamen Verlagerung der Konvektionszellen) nicht auszuschließen sind. Aufgrund der Strömung ergibt sich eine Verlagerung der Gewitter nach Nordwesten. In den anderen Gebieten setzt sich nach der Passage der Kaltfront rasch Zwischenhocheinfluss durch. Da aber die Kaltfront Anacharakter aufweist, macht sich in den südlichen und mittleren Landesteilen dieser Hochdruckeinfluss kaum bemerkbar; vielmehr fällt zeitweise Regen, an den Alpen und in den Staulagen der Mittelgebirge kann es auch längere Zeit regnen, ohne dass jedoch die Niederschläge in die Nähe der Warnschwellen gelangen. Auflockerungen sind im Nordosten (bevor die Gewittertätigkeit einsetzt) sowie im Nordwesten und Westen am wahrscheinlichsten. Während in den nordöstlichen Landesteilen und ganz im Osten noch einmal Höchsttemperaturen zwischen 21 und 26 Grad zu erwarten sind, werden sonst nur 15 bis 20, bei geschlossener Bewölkung und länger andauerndem Niederschlag, d.h. vor allem nach Südwesten hin, nur 9 bis 14 Grad erreicht.

Modellvergleich und -einschätzung

Die vorliegenden Modelle zeigen eine weitgehend ähnliche Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine prognoserelevanten Unterschiede ableiten. Geringe Unterschiede, die aber im Bereich der Prognoseunschärfe liegen, ergeben sich hinsichtlich der Verlagerung der flachen Bodentiefs, die sich am Mittwoch und Donnerstag entwickeln.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Thomas Schumann