Synoptische Übersicht - Kurzfrist

ausgegeben am Freitag, den 30.07.2021 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen: Bis in die kommende Nacht hinein v.a. südlich der Donau kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial aufgrund von Starkregen. Ab Samstagabend bis in den Sonntag dort (anfangs teils gewittriger) Stark- und Dauerregen, Unwetter möglich. Im Norden am Samstag vorübergehend bis ins Binnenland stürmische Böen, auch dort und im Westen am Wochenende einzelne markante Gewitter.

Synoptische Entwicklung bis Montag 12 UTC

Aktuell ... erstreckt sich ein langwelliger, mit mehreren Drehzentren ausgestatteter Höhentrog von der Barentssee über Skandinavien, GB und die Nordsee bis ins Seegebiet westlich der Biskaya. Deutschland befindet sich auf dessen Vorderseite unterhalb einer leicht mäandrierenden und kräftigen südwestlichen Höhenströmung. Darin eingebettet ist ein kleinräumiges, aber hochreichendes Tiefdruckgebiet, dass im Laufe der Nacht von der Doggerbank zum Westteil der Deutschen Bucht zieht. Es profitiert vom latenten Wärmestrom über dem recht warmen Nordseewasser, nimmt teilweise subtropische Eigenschaften an ("warmer" Kern) und kann sich somit trotz achsensenkrechter Lage unterhalb des Höhentiefs noch etwas vertiefen (Kerndruck um 06 UTC etwa 996 hPa). Die Kaltfront des Tiefs hat aktuell Zentral- bzw. Nordfrankreich sowie den Westen Belgiens überquert und greift im Laufe der Nacht auch auf den Westen und Norden Deutschlands über, in den Frühstunden erreicht sie bereits in etwa eine Linie Nordbaden-Ostvorpommern. Dynamischer Hebungsantrieb aufgrund von PVA wird allerdings durch beginnende KLA teilkompensiert, so dass sie sich als relativ wenig wetterwirksam erweist. Dennoch reicht es für Schauer und auch vereinzelte kurze Gewitter sowohl mit Frontpassage (im nördlichen Teil der Front über dem Nordwesten und Norden), als auch postfrontal vor allem nahe des Tiefkerns im Nordseeumfeld. Als Begleiterscheinung kommen aber lediglich steife bis stürmische Böen in Frage, eventuell reicht es bei länger anhaltender Schauertätigkeit im Nordseeumfeld kleinräumig für Starkregen. Interessanter gestaltet sich dagegen die Windentwicklung: Das Tief ist mit einem scharfen Bodentrog ausgestattet, der im Laufe der zweiten Nachthälfte von Benelux her auf den Westen und Nordwesten Deutschlands übergreift. Der Wind dreht etwas zurück auf Süd bis Südwest, dann aber mit Frontpassage wieder auf Südwest und frischt deutlich auf. Morgens gibt es etwa vom Niederrhein bis zur Weser verbreitet steife, in feien Lagen auch stürmische Böen, je nach Zugbahn des Tiefs kann es im Bereich der Ostfriesischen Inseln in den Vormittag hinein auch für Sturmböen reichen. Ein weiterer Fokus der Warntätigkeit liegt aber in den kommenden Stunden vor allem noch in der Südhälfte. Im Vorfeld der Kaltfront wurde sehr warme Luft aus Südwesteuropa - mit Ausnahme des Nordwestens - in weite Teile des Landes advehiert (T850 hPa aktuell etwa zwischen 8 Grad im Nordwesten und 16 Grad in Südostbayern). Diese ist vor allem in den Regionen vom Schwarzwald bis zum Oberpfälzer Wald und weiter südlich potenziell instabil geschichtet, nach Norden zu allerdings noch ziemlich gedeckelt. Vor allem von Südbaden über Oberschwaben bis ins südliche Alpenvorland konnten im Tagesverlauf 500 bis 1000 J/kg ML-Cape generiert werden, gebietsweise auch mehr, die Werte niederschlagbaren Wassers steigen auf teilweise über 30 mm. Als dynamischer Trigger für Auslöse fungiert ein kleinräumiger kurzwelliger Troganteil, der in den Diagnose- und Prognosefeldern nur schwer, im weiteren Verlauf der Nacht aber besser auszumachen und wohl auch der Topographie geschuldet ist, aber auch die Orographie selber. Somit haben sich sowohl im Bereich der Bayerischen Alpen, aber auch weiter westlich, über der Westschweiz, wo der dynamische Hebungsinput etwas größer zu sein scheint, bereits erste Gewitter entwickelt. Diese weiten sich über Oberschwaben und das südliche Alpenvorland in den kommenden Stunden noch weiter nach Norden, eventuell bis zur Donau, vielleicht auch noch etwas darüber hinaus, aus. Der Organisationsgrad dürfte bei maximal mäßiger Scherung eher limitiert sein und sich auf Multizellensysteme beschränken, wobei die Hauptgefahr dann von Starkregen (bis in den Unwetterbereich, später eventuell auch mehrstündig) ausgeht, bei frischen Entwicklungen anfangs vielleicht auch noch von größeren Hagel. Sturmböen sind natürlich ebenfalls in Betracht zu ziehen, vor allem beim Auftreten von Bow-Signaturen in den kommenden Stunden vielleicht auch mal schwere Sturmböen. Aber von Hageldownbursts, begleitet von Orkanböen, wie es in den vergangenen Tagen der Fall war, sind wir doch noch einiges entfernt. Im Laufe der Nacht ziehen die Gewitter allmählich ostwärts ab und verlieren an Intensität. Zwischen Kaltfront und Gewittern im Süden verläuft die Nacht hingegen wettertechnisch ruhig. Der Kaltfront folgt ein Schwall subpolarer Meeresluft, die Temperatur in 850 hPa sinkt auf 5 bis 8 Grad. Samstag ... kommt die Hauptachse des Langwellentrogkomplexes vor allem mit ihrem Südteil etwas nach Osten voran und greift auf den Westen Frankreichs sowie die Iberische Halbinsel über. Das kleinräumige Tiefdruckgebiet zieht über Schleswig-Holstein bis zum Abend zur Südküste Schwedens, füllt sich dabei zwar nur zögernd auf, verliert aber an vertikaler Mächtigkeit, so dass das zugehörige Höhentief im Tagesverlauf nur noch als scharfer und kurzwelliger Randtrog auszumachen ist, der ebenfalls über Norddeutschland nach Südschweden zieht. Ein weiteres Bodentief kann sich im Lee des Norwegischen Küstengebirges, über dem Skagerrak, im Tagesverlauf etwas vertiefen. Die Kaltfront gerät über Süddeutschland aufgrund höhenströmungsparalleler Exposition ins Schleifen und kommt kaum mehr weiter nach Süden voran. Somit bleibt der äußerste Süden im Einflussbereich warmer und potenziell instabiler Luftmassen. Allerdings hält sich präfrontal südlich der Donau bei schwachen westlichen Winden vielfach eher dichtere Bewölkung, so dass kaum Cape generiert werden kann. Unklar ist allerdings, ob die Höhenströmung vorderseitig des auf Frankreich übergreifenden Troges noch so weit aussteilt, dass es im (östlichen) Alpenvorland durch Föhneffekte doch noch für ein Sonnenfenster reicht und ob das dadurch in Gang gesetzte alpine Pumpen Druckfall und ein Bodentief generieren kann, so dass die Bodenwinde auf Nordost drehen und durch Feuchteakkumulation auch ML-Cape generiert werden kann. Sollte das passieren, sind dort bei guten Scherungsbedingungen (über 20 m/s DLS, bodennahe Richtungsscherung vorhanden) und hohen PPW-Werten (über 30 mm) schwere Gewitter bis hin zu (wohl dann einer) Superzelle mit größerem Hagel und schweren Sturm- bis Orkanböen nicht ausgeschlossen. Momentan fahren aber alle vorliegenden Konvektion erlaubenden Modelle eine eher defensive Variante, somit kann der Ball noch flach gehalten werden. Allerdings verstärkt sich der trogvorderseitige dynamische Hebungsantrieb zum Abend hin allmählich, so dass trotz Bewölkung durchaus - wohl erneut aus den Alpen heraus - mit Gewittern zu rechnen ist. Die Hauptgefahr dürfte von Starkregen und kleinkörnigem Hagel ausgehen, Unwetter aufgrund von Starkregen nicht ausgeschlossen, aber auch nicht sonderlich wahrscheinlich. Postfrontal kommt die mäßig warme Meeresluft bis in die mittleren Landesteile voran (T850 hPa zwischen 7 und 10 Grad). Sie ist vor allem im Norden und Nordwesten mäßig, aber hochreichend labil geschichtet mit mehreren 100 J/kg ML-Cape, so dass sich dort Schauer und Gewitter entwickeln, am ehesten wohl von der Eifel bis zur Uckermark und nordwestlich davon. Bei PPW-Werten von 25 bis nahe 30 mm und recht hoher Zuggeschwindigkeiten ist wohl eher weniger mit Starkregen, dafür aber in den stärkeren Entwicklungen mit einzelnen Sturmböen zu rechnen, kleinkörniger Hagel ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Warnrelevant bleibt auch der Wind, und der verleiht dem ganzen Wettergeschehen auch einen leicht herbstlichen Touch. Der nach wie vor scharf konturierte Bodentrog überquert den Norden und die Mitte Deutschlands bis zum späten Nachmittag ostwärts. Dabei gibt es verbreitet steife, etwa vom südlichen Emsland bis nach Vorpommern vorübergehend auch stürmische Böen (der Norden Schleswig-Holsteins bleibt aufgrund der Nähe zum Tiefkern davon wohl ausgespart) aus Südwest, an der Trogspitze sind vielleicht auch Sturmböen möglich, am ehesten wohl am Nachmittag/Abend an der vorpommerschen Ostseeküste. In den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge gibt es verbreitet stürmische Böen, auf dem Brocken wiederholt Sturmböen. Ab dem Nachmittag beginnt der Gradient von Westen her allmählich wieder aufzufächern und der Wind flaut langsam ab, an der Ostsee bleibt er aber bis weit in die Nacht hinein noch warnrelevant. Zwischen den eventuellen Gewittern im Süden und dem Schauerwetter im Norden und Westen erstreckt sich vom BaWü über Südhessen und Franken bis zur Lausitz ein recht breiter Streifen, wo wettertechnisch nur wenig passiert. Windig ist es auch dort, für Schauer reicht es aber kaum und häufig scheint die Sonne. In diesen Regionen werden mit Werten zwischen 22 und 26 Grad, in der Lausitz vielleicht auch noch darüber, die höchsten Temperaturen erreicht, sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 20 und 24 Grad, in Südostbayern eventuell auch darüber. In der Nacht zum Sonntag kommt die Haupttrogachse etwa bis nach Zentralfrankreich voran und die Höhenströmung über dem Vorhersagegebiet steilt weiter auf. Innerhalb der zwar leicht antizyklonal, aber zunehmend diffluent konturierten Höhenströmung kann vor allem mit Annäherung eines kurzwelligen Troganteils über Ostfrankreich sowie orographisch getriggert über Süddeutschland zunehmend dynamischer Hebungsantrieb aufgrund von PVA wirksam werden. Dabei kann sich entlang der über das Alpenvorland hinweg nach Osten reichenden Kaltfront ein flaches Wellentief verstärken und zieht bis Sonntagfrüh nach Oberösterreich. Die Kaltfront wird dadurch deutlich aktiviert und im Laufe der Nacht setzen von der Schweiz her bzw. aus den Alpen heraus im Süden Baden-Württembergs sowie südlich der Donau, später auch bis zum Bayerischen Wald reichend kräftige schauerartige, teils mit Gewittern durchsetzte Regenfälle ein, die wohl in der zweiten Nachthälfte und am Sonntagvormittag ihre höchste Intensität erreichen. Bzgl. der räumlichen Verteilung der Niederschläge sind sich die Modelle einigermaßen einig, die höchsten Mengen werden vom Bereich Oberschwaben/Allgäu ostnordostwärts über weite Teile Oberbayerns bis zum Bayerischen Wald simuliert, etwas ausgespart dürfte wohl der östliche Alpenrand bleiben. Bzgl. der Mengen gibt es noch gewisse Differenzen, sowohl von Lauf zu Lauf als auch von Modell zu Modell. Vor allem ICON-EU hat immer wieder unwetterartige Mengen (mehr als 40 l/qm in 12 bzw. mehr als 50 l/qm in 18 bis 24 Stunden, in der zweiten Nachthälfte auch noch kleinräumig mehr als 35 mm in 6 Stunden) auf der Agenda, im aktuellen Lauf z.B. vom Allgäu über das südliche Oberbayern bis nach Niederbayern. GF und IFS belassen es dagegen meist bei markanten Mengen. Die Probabilistik, sowohl ICON-EU-EPS als auch IFS-EPS simuliert in der Region auch die höchsten Wahrscheinlichkeiten (ICON-EU-EPS kleinräumig im Allgäu über 60% für mehr als 50 mm zwischen Samstag, 18 UTC und Sonntag, 18 UTC). Der Nordwesten und Norden Deutschlands verbleiben auch nachts weiterhin nahe der Trogachse im Einflussbereich labiler und mäßig warmer Meeresluftmassen. Tagesgangbedingt klingen die Schauer vor allem im Binnenland etwas ab, es bleibt aber oft bewölkt, an den Küsten, vor allem im Nordseeumfeld hält das warme Wasser aber die Schauertätigkeit weiter aufrecht. Auch kurze Gewitter sind dort nicht ausgeschlossen. Der Gradient fächert weiter auf und auch tagesgangbedingt nimmt der Wind weiter ab. Morgens dürfte er dann auch entlang der vorpommerschen Küste und auf dem Brocken nicht mehr warnrelevant sein. Vor allem in den mittleren Landesteilen und nach Osten zu verläuft die Nacht locker, teils auch gering bewölkt. Die Luft kühlt sich auf 15 bis 9 Grad ab, an den Küsten bleibt es milder.

Sonntag ... schwenkt der breit angelegte, mittlerweile vom Nordmeer bzw. Nordskandinavien bis zur Iberischen Halbinsel reichende Langwellentrog mit seiner Haupttrogachse allmählich Richtung Mitteleuropa bzw. nach Westdeutschland. An dessen Südostflanke zieht der kurzwellige Troganteil von Ostfrankreich rasch über Süddeutschland hinweg ostwärts, so dass die Kaltfront die Alpen überqueren kann und die Regenfälle in Süddeutschland vor allem ab der Mittagszeit deutlich an Intensität verlieren, aber wohl noch bis in die Abendstunden vielerorts andauern. Teilweise gehen sie am Nachmittag auch in einzelne Schauer über, wobei dann kurze Gewitter nicht ausgeschlossen sind. Der Nordwesten Deutschlands gerät im Tagesverlauf zunehmend auf die diffluente Vorderseite eines sich allmählich zum Skagerrak verlagernden kleinräumigen Höhentiefs, so dass dort auch etwas dynamische Hebung aufgrund von PVA wirksam werden kann. Die Luftmasse dort ist weiterhin indifferent bis leicht labil geschichtet, mit Hebung und etwas Einstrahlung können im Tagesverlauf in weiten Teilen West- und Norddeutschlands etwa 200 bis 500 J/kg ML-Cape generiert werden. Die Folge ist ein deutliches Aufleben der Schauertätigkeit, wobei die Gewitterwahrscheinlichkeit höher als am Vortag sein dürfte. Die Höhenströmung schwächt sich ab, so dass die Schauer und Gewitter eine geringere Zuggeschwindigkeit aufweisen dürften, zudem treten sie vor allem in Nordseenähe auch wiederholt auf. Somit sollte in Punkto Begleiterscheinungen auch das Starkregenkriterium in Betracht gezogen werden, kleinkörniger Hagel und steife bis stürmische Böen sind vereinzelt aber auch mit von der Partie. Sowohl die Schauer im Norden als auch die Regenfälle im Süden greifen etwas weiter Richtung Mitte aus als am Vortag, so dass der Streifen mit einigermaßen störungsfreiem Wetterverlauf schmaler wird, aber wohl noch von Rheinland-Pfalz bis nach Brandenburg bzw. Sachsen reicht. Dort bleibt es vielerorts trocken, die Sonne kommt aber seltener zum Zuge als am Vortag. Die Temperatur in 850 hPa geht allgemein auf etwa 6 bis 9 Grad zurück, die höchsten Werte in der Lausitz. Dort können mit Sonne nochmals Werte um 24 Grad erreicht werden, sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 18 und 23 Grad, im regnerischen Süden gebietsweise kaum über 15 Grad.

In der Nacht zum Montag zieht das kleinräumige Höhentief samt eines korrespondierenden Bodentiefs langsam Richtung Kattegat. An dessen Südwestflanke verschärft sich der Gradient vor allem über dem Nordwesten des Landes und der Wind frischt aus Nordwest bis West auf, in erster Linie an den Küsten kann es ab den Frühstunden steife Böen geben. Von Nordwesten her gelangt gleichzeitig etwas kühlere und stabiler geschichtete Luft in die Norddeutsche Tiefebene, so dass die Schauer dort rasch nachlassen und sich weitestgehend noch auf das Nordseeumfeld beschränken. Die instabilste Luftmasse wird in die mittleren Landesteile abgedrängt, dort kann es auch die Nacht über einzelne Schauer geben, allerdings bleibt die Gewitterwahrscheinlichkeit gering. In den Süden schiebt sich dagegen nach Abzug des Regens ein flacher Bodenhochkeil, so dass die Wolken vor allem in BaWü sowie im Westen und Süden Bayerns auflockern, auch dort bleibt es vielerorts trocken. In 850 hPa sinken die Temperaturen auf Werte zwischen 5 Grad im Nordwesten und 8 Grad im Süden, die Tiefstwerte liegen meist zwischen 15 und 9 Grad, an den Küsten bleibt es milder.

Montag ... verlagert sich das Höhentief zunehmend als kurzwelliger Randtrog nach Südostschweden und somit schwenkt auch die Haupttrogachse allmählich über das Vorhersagegebiet hinweg ostwärts. Rückseitig stellt sich über Norddeutschland eine westnordwestliche Höhenströmung ein. Derweil zieht ein kurzwelliger Randtrog vom Seegebiet südwestlich von England zur Biskaya. Vorderseitig wölbt sich über Frankreich ein flacher Rücken auf, der wiederum den Bodenhochkeil über Süddeutschland stützt, der etwas Richtung Alpen abgedrängt wird. Insgesamt kann die stabiler geschichtete und etwas kühlere Meeresluft somit nur noch wenig weiter südwärts vordringen, der Mitte und mit zunehmender Einstrahlung auch der Süden bleiben im Einflussbereich potenziell instabiler Meeresluft. Dabei können erneut mehrere 100 J/kg ML-Cape generiert werden, allerdings sinkt der Gehalt niederschlagbaren Wassers aufgrund des allmählichen Entrainments trockenerer Luft sowohl von Süden als auch von Norden her etwas ab und überschreitet kaum mehr die 25 mm. Während es in der Nordhälfte somit weitgehend trocken bleibt - dort wirkt auch eine Absinkinversion in 700 hPa etwas dämpfend - und es am ehesten noch Richtung Küsten einzelne kurze Schauer geben kann, entwickeln sich vor allem in den mittleren Landesteilen erneut Schauer und auch einzelne kurze Gewitter (Starkregen, kleinkörniger Hagel und Böen Bft 7 bis 8 nicht ausgeschlossen), die sich im Tagesverlauf noch etwas nach Süden ausweiten, im Alpenvorland sowie in Südbaden bleibt es aber voraussichtlich vielerorts trocken. Das Bodentief über dem Kattegat zieht über Südschweden hinweg ostwärts, an dessen Südwestflanke bleibt vor allem im Nordosten Deutschlands noch ein scharfer Gradient aufrecht. Dort gibt es in erster Linie wohl in Ostseenähe, vielleicht auch noch in Nordfriesland steife Böen aus west bis Nordwest, entlang der vorpommerschen Küste auch stürmische Böen. Die Temperatur in 850 hPa steigt im Süden im Einflussbereich des Hochkeils wieder etwas an und liegt zwischen 5 Grad über der Nordsee und 11 Grad am Alpenrand. Das lässt Höchstwerte zwischen 18 und 23 Grad erwarten, im südlichen Oberrheingraben und in der Lausitz vielleicht knapp darüber.

Modellvergleich und -einschätzung

Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich keine Unterschiede zwischen den vorliegenden Globalmodellen ableiten. Mit Differenzen im Detail behaftet ist dagegen noch die Stark- bzw. Dauerregensituation in Süddeutschland ab Samstagabend. Vor allem ICON-EU simuliert immer wieder Mengen bis in den Unwetterbereich, GFS und IFS eher etwas weniger. Auch ist unklar, wie sich die Gewitteraktivität morgen Nachmittag im äußersten Südosten abspielt. Ein gewisses Potenzial für schwere Gewitter ist dort nicht von der Hand zu weisen, wird aber von den aktuell vorliegenden, Konvektion erlaubenden Modellen nicht wirklich geteilt. Die Unklarheiten wurden im Text besprochen.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff