Synoptische Übersicht - Kurzfrist

ausgegeben am Sonntag, den 27.05.2018 um 18 UTC

Markante Wettererscheinungen: Anfangs noch teils kräftige Gewitter, später abklingend. Morgen erneut Gewitter, aber nicht so zahlreich wie heute, auch die Gefahr (extremer) Unwetter geringer. Am Dienstag deutlich kälter und Niederschläge bis ins Flachland als Schnee - ach nee, um ein halbes Jahr vertan. Natürlich weitere Gewitter bis hin zu Unwettern (Starkregen, Hagel), am wenigsten im Norden und Nordosten.

Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 12 UTC

Aktuell ... befindet sich Deutschland nach wie vor auf der Südflanke eines hochreichenden Hochs über Nordeuropa. Dabei ist über Norddeutschland ein leidlicher Gradient vorhanden, der einen schwachen bis mäßigen Ostwind zur Folge hat. Dieser ist zwar nicht stark genug, als dass er abgewarnt werden müsste, doch reicht er aus, um den über der westlichen Ostsee kurz vor Jütland liegenden Kaltlufttropfen (KLT) auf die Nordsee zu bugsieren. Der KLT induziert im Nordosten einzelne Schauer oder Gewitter, die sich im Laufe der Nacht mehr und mehr in den Nordwesten verlagern. Bei PPWs um 30 mm und relativ langsamer Verlagerungsgeschwindigkeit können die Schauer und Gewitter mit Starkregen einhergehen, was unter dem Strich aber nur in situ gewarnt werden kann. In der Mitte und im Süden sind die Luftdruckgegensätze gering, was auch auf die Potenzialunterschiede zutrifft. Vorderseitig eines Höhentroges mit integrierter Dipolschaltung über Westeuropa findet man eine kleine antizyklonale "Eindellung", die sich vom östlichen Alpenraum bis zum Ärmelkanal respektive zur südwestlichen Nordsee erstreckt. Dieser kleine Rücken und der Tagesgangs sind in starkem Maße mitverantwortlich dafür, dass sich die am Abend noch sehr aktive und zum Teil auch kräftige Konvektion in den nächsten Stunden zusehends abschwächt. In den Frühstunden bilden sich einige, meist flache Nebelfelder, die wahrscheinlich keiner Warnung bedürfen.

Montag ... ändert sich gar nicht mal so viel an der Großwetterlage. Hohem Druck und Potenzial im Norden (mit leichter Tendenz, sich nach Osten zu verlagern) stehen ein Trog und einer Tiefdruckrinne über Westeuropa entgegen. Und dazwischen turnt weiterhin auch noch der KLT rum, der es sich morgen vor der Südspitze Norwegens gemütlich macht - wahrscheinlich jedenfalls, denn man weiß ja nie bei diesen "Vögeln". Setzen wir nun die kleine Brille auf und schauen uns die Verhältnisse in und über Deutschland an. Da fällt zunächst auf, dass sich der o.e. kleine Rücken noch etwas verstärkt und dabei ein kleines Stück nach Norden verschiebt. Quasi in gleichem Atemzug formiert sich über Frankreich ein Randtrog, der zunächst aber noch außen vor bleibt und im Tagesverlauf lediglich den äußersten Südwesten peripher tangiert. Am Boden sind die Verhältnisse nach wie vor flau mit Werten um 1015 hPa. Die weiterhin stationäre sehr warme bis heiße Luftmasse (T850 am Nachmittag um 12°C an der Nordsee und bis zu 18°C am Alpenrand) bleibt potenziell instabil und besonders im Süden und Westen steigt das ML-CAPE auf über 1000 J/kg, lokal sogar auf rund 2000 J/kg. Auf der anderen Seite nimmt der gesamttroposphärische Wassergehalt gegenüber heute vielerorts etwas ab, was mit einem Anstieg der KKN/HKN auf über 2000 m verbunden ist. Dazu liegen die (theoretischen) Auslösetemperaturen um oder sogar etwas über 30°C. Bringt man am Ende alle genannten Faktoren in ein Gleichungssystem (oder alle Zutaten in einen Topf), dann ergibt sich ein Bild, das auch von der Numerik im Großen und Ganzen so gesehen wird. Gewitter ja, vor allem im Westen, Süden und bedingt in der Mitte, Anzahl, Frequentierung und räumliche Ausbreitung eher gering. Oder mit anderen Worten, bevorzugt im Bergland kommt es zur Auslöse einzelner Zellen, die sich bis in die unmittelbare Umgebung schleppen und - räumlich eng begrenzt - natürlich auch wieder intensiv ausfallen können bis hin in den Unwetterbereich (Starkregen, aber auch Hagel); auch extreme Unwetter wegen Starkregen können nicht ganz ausgeschlossen werden, sind aber weniger wahrscheinlich als heute. Der Wind spielt tendenziell nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn durch die trockene Grundschicht (inverse V-Struktur) einzelne Downbursts 8-9 Bft möglich sind. Möglich sind einzelne (markante) Gewitter auch im Nordwesten, wo zwar keine Berge stehen, dafür aber der scheidende KLT vielleicht noch den einen oder anderen Impuls geben könnte. Die geringste Gewitterwahrscheinlichkeit (nahe null) ist in den östlichen Landesteilen gegeben, wo die Luft am trockensten ist und nur wenig bis gar kein CAPE generiert wird. CAPE hin, Trockenheit her, der Wochenstart fällt so oder so sehr warm bis heiß aus mit Tageshöchstwerten von 27 bis 33°C. Nur an Küstenabschnitten mit beständig auflandigem Wind sowie im äußersten Norden SHs wird es nicht ganz so bullig.

In der Nacht zum Dienstag kommt der KLT über der Nordsee wieder etwas nach Süden voran - typisch für diese eigensinnigen Gebilde, die manchmal einfach nicht aufgeben. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre in SH weiterhin eine latente Schauer- und Gewitterneigung gegeben. Ansonsten kommt die konvektive Aktivität allmählich zur Ruhe, lediglich im äußersten Südwesten, wo sich der französische Trog etwas stärker in Stellung bringt, sind weitere Gewitter bis in die Frühstunden (oder Neubildungen nach einer kurzen Pause) möglich.

Dienstag ... formiert sich besagter Randtrog noch etwas und überdeckt bis zum Abend etwa die Südhälfte. Der Luftdruck fällt noch etwas und von Frankreich her weitet sich eine breite, in seiner Grundausrichtung aber zonal angeordnete Tiefdruckzone bis nach Deutschland aus, in der sich eine oder vielleicht auch mehrere Windkonvergenzen ausbilden dürften. Summa summarum verbessert sich das konvektionsfördernde Strömungs-Setup sowohl in der Höhe als auch in Bodennähe, was für die Luftmasse (feucht, labil) zumindest in weiten Teilen des Landes schon vorher galt. Was weiterhin fehlt ist nennenswerte Scherung sowie etwas Schmackes bei den Winden respektive der Dynamik, so dass wir uns möglicherweise bis Sankt Nimmerlein - eher nolens denn volens - mit den klassischen, im Vorfeld nur schwer zu beurteilenden (siehe heute) Sumpfgewittern herumschlagen müssen, die sich wahrscheinlich in weiten Teilen des Landes entwickeln werden. Schwerpunkt dürften aber die südlichen und westlichen Landesteile sowie der zentrale Mittelgebirgsraum sein, während nach Norden und besonders nach Nordosten zu die Gewitterwahrscheinlichkeit in der von Osten einfließenden trockeneren Luft deutlich geringer ist. Allerdings weiß man nicht so ganz genau, was unser Freund der KLT so macht, der sich laut ICON von 12 UTC in Richtung westliche Nordsee orientieren soll. Ob er dabei zumindest im Nordwesten noch mal einen kleinen Fuß in die Tür bekommt und dabei Schauer oder Gewitter auslöst, kann heute noch nicht abschließend beantwortet werden. Ansonsten wird es bei PPW-Werten von verbreitet über 30 mm und ähnlichen MU-CAPE-Werten wie an den Vortagen ordentlich brodeln, wobei man sich am Montag durchaus Gedanken über eine Vorabinfo machen sollte. Aufgrund geringer oder keiner Verlagerungsgeschwindigkeit der Zellen sowie robuster Aufwinde kommen einmal mehr Starkregen und Hagel als (extreme) Unwetterparameter infrage. Besonders in der Nordhälfte wird verbreitet die 30°C-Marke überschritten mit Werten bis zu 33, lokal vielleicht 34°C. Nur Richtung Küste stößt das Thermometer etwas früher an seine Grenzen. In der Südhälfte stehen 24 bis 31°C auf der Karte.

In der Nacht zum Mittwoch weitet sich der o.e. Randtrog eher nach Osten aus als dass er nach Norden vorankommt. Mit seiner Unterstützung kommt es von Westdeutschland bis hinunter in den Südosten zu weiteren schauerartigen Regenfällen und Gewittern, die mehr und mehr verclustern können. Wie lange dabei Unwetter auftreten, kann - wie fast immer bei solchen Lagen - erst kurzfristig beantwortet werden. Nur so viel, in den Südwesten, besonders nach BW gelangt etwas trockenere und stabilere Luft, die keine Konvektion mehr zulässt. Und auch weite Teile Nord- und Ostdeutschlands bleiben diesbezüglich außen vor.

Mittwoch ... fokussiert sich das Hauptgewittergeschehen auf einen von Nordwest nach Südost gerichteten Streifen, in dem die Luftmasse am feuchtesten und labilsten ist, und der - großzügig betrachtet - im Wesentlichen mit der Tiefdruckrinne am Boden korreliert. Einmal mehr stehen kräftige Gewitter bis in den (extremen) Unwetterbereich (Starkregen, Hagel) auf der Karte). Wie weit sich dieser Streifen bis in den Nordosten vorarbeitet, ist noch unsicher. ICON fährt eine etwas defensivere Variante als IFS und GFS. Es kommt darauf an, inwieweit sich das Entrainment durch trockenere, aus dem weiterhin nord- und nordöstlich von uns positionierten Hoch ausfließende Luft durchsetzen kann. Ein Minimum konvektiver Aktivität findet man auch im Südwesten, was sich gegenüber der Nacht noch etwas ausweitet. Es bleibt grundsätzlich sehr warm bis heiß mit Tageshöchstwerten von 25 bis 30°C, im Norden und Osten gebietsweise auch noch ein bis zwei Grad mehr.

Modellvergleich und -einschätzung

Es ist wie immer. Das große Ganze passt, der Trend ist klar. Was nicht passt sind die Feinheiten, was bei einer solchen Sumpflage normal ist. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als im Vorfeld die von Gewittern betroffenen Areale einigermaßen abzustecken, ggf. eine Vorabinfo vor schweren Gewittern zu schalten, um dann letztlich im Nowcasting (hinterher) zu warnen. Such as life...

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann