Synoptische Übersicht - Kurzfrist

ausgegeben am Samstag, den 23.09.2017 um 08 UTC

GWL und markante Wettererscheinungen: HFz Vor allem Sonntag und Montag einzelne Gewitter, dabei Starkregen nicht ausgeschlossen.

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC

Samstag... befindet sich Deutschland an der Südwestflanke einer hochreichenden Antizyklone über dem fennoskandischen Raum. Dabei tropft im Tagesverlauf ein Höhentief über Benelux bzw. Westdeutschland ab und verlagert sich bis Sonntag, 00 UTC nach Süddeutschland. Im Zuge dieses Prozesses wird es als Randtrog in ein südosteuropäisches Höhentief mit Drehzentrum über Rumänien integriert. An dessen Nordflanke kommen im Tagesverlauf über dem Westen Polens aufgrund von WLA verstärkt Hebungsprozesse in Gang, die ab dem Nachmittag auch zunehmend den Osten und Nordosten des Landes beeinflussen. Das Bodenfeld über Mitteleuropa ist geprägt durch schwachgradientige Druckverhältnisse. Ein mit dem Höhentief korrespondierendes Frontensystem über West- bzw. Nordwestdeutschland kommt kaum mehr südostwärts voran und löst sich allmählich auf. Dabei fällt dort noch gebietsweise Regen, vor allem im Bergland.

Mit dem Höhentief gelangt im Tagesverlauf - mit Unterstützung durch die diabatische Erwärmung der Grundschicht - eine potenziell instabil geschichtete Luftmasse in den Westen und Südwesten des Landes. Die Temperatur in 500 hPa sinkt auf etwa -20 Grad oder etwas darunter, in 850 hPa bewegen sich die Werte um +6 Grad. Dabei werden etwa 100 bis 300 J/kg ML-Cape generiert. Die Folge sind einzelne kurze Schauer, bevorzugt im Bergland kann auch ein Gewitter nicht ausgeschlossen werden, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür nicht allzu hoch ist. Da die Verlagerungsgeschwindigkeiten der Schauer oder Gewitter nicht allzu hoch sind, kann im ungünstigsten Fall auch Starkregen nicht ausgeschlossen werden. Schwache Signale dafür gibt der aktuelle COSMO-DE-EPS- Lauf z.B. in der Rhön (bis 20% Wahrscheinlichkeit für Mengen über 20 mm in 6 Stunden). Auf die Osthälfte greift dagegen im Laufe des Abends eine Warmfront über, in deren Vorfeld nachmittags von Polen her Regen einsetzt. ICON-EU simuliert bis zum Abend im äußersten Osten etwa 5 bis 10 mm in 6 Stunden, GFS 00 UTC ebenfalls, lässt den Regen aber bereits ein wenig weiter nach Westen vorankommen als ICON-EU. Ansonsten steht ein wettertechnisch ruhiger Tag an. Vor allem im äußersten Westen und im Südwesten lässt sich immer wieder die Sonne blicken, während es im westlichen Bergland eher bewölkt bleibt und auch in der Osthälfte die Wolken immer dichter werden. Mit Höchstwerten zwischen 16 und 20 Grad, am Oberrhein auch knapp darüber wird es recht mild.

In der Nacht zum Sonntag verlagert das südosteuropäische Höhentief seinen Schwerpunkt geringfügig nach Osten und beeinflusst in weiterer Folge auch zunehmend den mitteleuropäischen Raum. Die WLA respektive die Hebungs- und Aufgleitprozesse an dessen Nordflanke über dem Osten und Nordosten Deutschlands kommen noch etwas nach Westen voran, schwächen sich aber im Laufe der zweiten Nachthälfte zunehmend ab. Somit weiten sich die Regenfälle nach der progressivsten Modellvariante (ICON-EU) noch bis etwa ins östliche bzw. nordöstliche Niedersachsen, den Hamburger Raum und Nordhessen aus, GFS lässt den Regen dagegen vor allem im Südteil des Niederschlagsgebietes nicht so weit nach Westen vorankommen. Die Mengen betragen aber nur gebietsweise mehr als 10 mm in 12 Stunden und bewegen sich somit wohl recht weit unterhalb jeglicher Warnrelevanz. Zudem klingen die Niederschläge im Laufe der zweiten Nachthälfte auch schon allmählich wieder ab. Die Schauer im Westen klingen wieder ab, lediglich im Südwesten und Richtung Alpen - im Einflussbereich des sich dorthin verlagernden Höhentiefs - kann es noch die Nacht über hinweg schauerartige Regenfälle geben. Kurze Gewitter sind nach wie vor nicht ausgeschlossen, die Mengen bleiben aber wohl unterhalb der Warnschwellen (GFS bis 10 mm in 6 Stunden am Bodensee, ECMWF bis 15 mm, ICON-EU weniger), wobei COSMO-DE-EPS für den Alpenrand (Ostallgäu) allerdings Wahrscheinlichkeiten bis 30% für mehr als 20 mm in sechs Stunden simuliert. Ansonsten verläuft die Nachtruhig und vor allem im Westen auch teils aufgelockert bis gering bewölkt, so dass sich örtlich Nebel bilden kann.

Sonntag... verlagert das Höhentief sein Drehzentrum allmählich ins östliche Mitteleuropa, zum Abend hin nimmt es eine Dipolstruktur an mit Drehzentren (in 500 hPa) über Nordbayern und über der Tatra. Ein mit dem Höhentief korrespondierendes Bodentief ist im Tagesverlauf kaum mehr auszumachen, so dass es zunehmend die Eigenschaften eines Kaltlufttropfens (KLT) erfüllt. Vor allem der Süden Deutschlands bleibt dabei im Einflussbereich recht labil geschichteter Luftmassen (-18 bis -20 Grad in 500 hPa, etwa +7 in 850 hPa). Erneut wird eine ML-Cape von etwa 100 bis 300 J/kg simuliert bei PPW-Werten von etwa 20 mm. Ähnlich wie am Vortag entwickeln sich im Tagesverlauf wieder einzelne Schauer und Gewitter, wobei sowohl GFS als auch ICON-EU für den Alpenrand und das Alpenvorland eine etwas höhere Gewitterbereitschaft simulieren. Aufgrund der langsamen Zuggeschwindigkeit können lokal eng begrenzte Starkregenereignisse nicht ausgeschlossen werden. Entlang der Nordflanke des KLT kommt es weiterhin zu nicht allzu markanten Aufgleitprozessen, die vor allem die östlichen und mittleren Landesteile beeinflussen und gebietsweise konvektiv durchsetzt sein können (MU-Cape bis 200 J/kg nach GFS). Kurze Gewitter sind auch dort nicht von der Hand zu weisen, in der Regen bleibt es dort aber wohl bei schauerartigen Regenfällen meist leichter Intensität, die gebietsweise auftreten. Insgesamt werden von den Modellen recht unisono etwa 1 bis 7 mm in 12 Stunden simuliert, allerdings mit leicht inhomogener räumlicher Verteilung. Im Westen und Nordwesten des Landes dominiert schwacher Hochdruckeinfluss. Dort zeigt sich die Sonne häufiger und es bleibt meist trocken. Dagegen steht in der Osthälfte vielerorts ein trüber Tag ins Haus, im Süden zeigt sich die Sonne zwischen den Schauern zumindest kurzzeitig mal. Die Höchstwerte bewegen sich entsprechend zwischen 14 Grad dort, wo es trüb bleibt und 21, vielleicht sogar 22 Grad im südlichen Oberrheingraben.

In der Nacht zum Montag weitet sich das Höhentief bzw. der KLT über dem Vorhersagegebiet noch etwas weiter nach Westen aus und weist mehrere kleinräumige Drehzentren (um 6 UTC nach ICON-EU über dem nördlichen Oberbayern, über dem Oderbruch und über dem Osten Tschechiens) auf. An der Nordflanke des KLT verstärken sich die Hebungsprozesse aufgrund von PVA über dem Osten Deutschlands vor allem im Laufe der zweiten Nachthälfte. ICON-EU simuliert bis Montagfrüh im südlichen Brandenburg 5 bis 11 mm in 12 Stunden, GFS nur bis 5 mm.

Vor allem ICON-EU und ECMWF simulieren auch im Süden des Landes die ganze Nacht über gebietsweise schauerartige Niederschläge, wobei die Gewitterwahrscheinlichkeit im Laufe der Nacht abnimmt und die Mengen mit 1 bis 5 mm gering bleiben. Im Westen bleibt es wohl noch meist trocken, aber eher bewölkt, so dass die Nebelwahrscheinlichkeit etwas geringer bleiben sollte als in den Vornächten.

Montag... kann sich der KLT wieder etwas besser organisieren und weist am Nachmittag/Abend im Großen und Ganzen nur noch ein Drehzentrum auf, das sich zum 18 UTC-Termin in etwa über der nördlichen Mitte Deutschlands (südöstliches Niedersachsen/Thüringen/Nordhessen) befindet. Vorderseitig des KLT setzt über Frankreich schwacher Druckfall ein während sich das fennoskandische Bodenhoch etwas nach Südwesten ausweitet. Somit verschärft sich an dessen Südflanke der Druckgradient und im Ostseeumfeld frischt der Ostwind auf. Für warnrelevante Böen wird es aber wohl voraussichtlich nicht reichen. Mit Ausnahme des Südwestens befinden sich weite Teile des Landes weiterhin im Einflussbereich potenziell instabiler Luftmassen. Die meisten Niederschläge werden dabei im Norden und Osten Deutschlands bis in die mittleren Landesteile simuliert, wobei diese (bei einer ML-Cape von etwa 100 bis 200 J/kg) im Tagesverlauf auch konvektiv durchsetzt sein können. Bei PPW-Werten von etwa 25 mm und nur geringer Zuggeschwindigkeit kann erneut Starkregen punktuell nicht ausgeschlossen werden, die im Flächenmittel simulierten Mengen betragen aber lediglich 3 bis 10 mm in 6 bis 12 Stunden. Der Süden Deutschlands befindet sich an der Südflanke des KLT`s ebenfalls im Einflussbereich instabil geschichteter Luftmassen. Dort wird allerdings ein etwas stärkerer Deckel simuliert und entsprechend auch weniger Konvektion. Nichtsdestotrotz kann ein kurzes Gewitter auch dort nicht komplett ausgeschlossen werden. Insgesamt steht ein eher bewölkter Tag ins Haus, die Sonne zeigt sich am ehesten noch im Südwesten. An den Höchstwerten ändert sich nur wenig, sie bewegen sich weiterhin zwischen 14 und 20 Grad mit den höchsten Werten im südlichen Oberrheingraben.



Modellvergleich und -einschätzung

Alle vorliegenden Modelle simulieren im Kurzfristbereich eine ähnliche Wetterentwicklung. Kleinere Differenzen sind vor allem bzgl. der räumlichen Verteilung der Niederschläge auszumachen, die aber kaum warnrelevant sind.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff