Thema des Tages: Gut gerüstet für die Sommersaison


Datum 13.03.2017



Es ist Frühling und die Sonne steht allmählich wieder höher am Himmel, sodass die Atmosphäre auch in unseren Breiten höheres energetisches Potential erfährt. Bereits vergangene Woche konnten einzelne sommerlich anmutende Gewitter beobachtet werden. Grund genug, um sich wieder etwas genauer mit dem Warnmanagement für die bevorstehende sommerliche Saison zu befassen.

In den letzten Wochen zeigte sich unsere Warnkarte (siehe www.dwd.de oder in der WarnWetter-App), immer wieder in den buntesten Farben. Häufig konnte man gelbe und ockerfarbene, vereinzelt auch rote Gebiete ausmachen und manch einer wird sich gefragt haben, wieso beim Deutschen Wetterdienst wieder der Farbeimer ausgeleert wurde. Dabei wurden in den eingefärbten und damit bewarnten Regionen meist Warnschwellen winterlicher Parameter wie Frost, Glätte oder Schneefall, aber auch von Wind überschritten. Vergangene Woche kündigten allerdings einzelne kräftige Gewitter die bevorstehende konvektive Saison an. Entsprechend lohnt sich bereits jetzt schon ein Blick auf das sommerliche Warnmanagement, um für die Gewittersaison gut gerüstet zu sein.

Herrscht "ruhiges" Wetter vor, erscheint die Warnkarte seit der Einführung des neuen Webauftritts des DWD in grün, wie man aktuell (Stand: 13.03.17, 10 Uhr) auf der Warnkarte sehen kann. Es liegen also keine Wetterwarnungen vor. Werden Warnungen vor Wettergefahren erforderlich, bedient sich der Deutsche Wetterdienst eines 4-stufigen Warnsystems:

Stufe 1 erscheint auf der Warnkarte als "gelbe Wetterwarnung". Hier wird vor Wetterentwicklungen gewarnt, die z.B. Gefährdungen für sensible Infrastrukturen (Windböen) oder Behinderungen im Straßenverkehr (Nebel) zur Folge haben. Dann muss in der eingefärbten Region beispielsweise im Nebel mit Sichtweiten unter 150 m oder beim Wind mit Böen zwischen 50 und 61 km/h (Beaufort 7, abgekürzt Bft 7) gerechnet werden. Auch Warnungen vor Gewitter können "gelb" sein. Diese indizieren dann die Gefahr vor elektrischen Entladungen mit oder ohne Böen bis maximal 61 km/h.

Die Stufe 2 beschreibt ockerfarbene Warnungen vor "markantem Wetter". Dies können z.B. Starkregen (15-25 l/qm in einer Stunde bzw. 20-35 l/qm in 6 Stunden), Sturmböen (62-88 km/h, Bft 8-9) oder sogar schwere Sturmböen (89-102 km/h, Bft 10) sein. Auch markante Gewitter treten dann mit Begleiterscheinungen (schwere) Sturmböen bzw. Starkregen bzw. kleinkörnigem Hagel (Durchmesser bis etwa 1,5 cm) auf. Dabei müssen die Schwellenwerte der drei Begleiterscheinungen nicht alle überschritten werden, es reicht die Erfüllung von nur einem markanten Kriterium. Nicht vergessen werden darf natürlich auch der Dauerregen, der sich je nach Andauer und Intensität des Regens ergibt: 25-40 l/qm in 12 h, 30-50 l/qm in 24 h, 40-60 l/qm in 48 h oder 60-90 l/qm in 72 h.

Ist die erwartete Wetterentwicklung als "sehr gefährlich" einzustufen und verbreitet mit Schäden zu rechnen, kommt die Farbe "Rot" (Stufe 3) auf der Warnkarte ins Spiel. In den bewarnten Regionen muss dann mit unwetterartigen Wetterentwicklungen gerechnet werden. Diese umfassen orkanartige Böen oder Orkanböen (103-140 km/h, Bft 11-12) oder heftigen Starkregen (25-40 l/qm in 1 h bzw. 35-60 l/qm in 6 h), wobei diese Warnparameter auch als Begleiterscheinungen von Gewittern auftreten können. Dabei kann mit der "roten Karte" (Unwetterwarnung) dann auch vor Hagelkorngrößen mit einem Durchmesser von über 1,5 cm gewarnt werden. Was den Dauerregen anbelangt, so müssen Niederschlagssummen von 40-70 l/qm in 12 h, 50-80 l/qm in 24 h, 60-90 l/qm in 48 h oder 90-120 l/qm in 72 h erreicht werden. Um die Bevölkerung frühzeitig vor einer mit recht hoher Wahrscheinlichkeit bevorstehenden Unwetterlage zu warnen, besteht die Möglichkeit der Herausgabe einer sogenannten "Vorabinformation Unwetter". Hierbei wird jenes Gebiet mit roter Schraffierung markiert, in dem das Unwetterpotenzial vorhergesagt wird. Die eigentliche Unwetterwarnung wird dann vor Eintreten des Unwetterereignisses räumlich und zeitlich enger begrenzt ausgegeben.

Die höchste Warnstufe (Stufe 4) signalisiert "extremes Unwetter" und ist farblich mit "Violett" gekennzeichnet. Dabei sind lebensbedrohliche Situationen sowie große Schäden und Zerstörungen möglich. Bei Gewittern muss dann mit extremen Orkanböen (über 140 km/h) bzw. extrem heftigem Starkregen (mehr als 40 l/qm in 1 h bzw. mehr als 60 l/qm in 6 h) gerechnet werden. Die Hagelkorngrößen stellen bei dieser Stufe kein eigenes Warnkriterium dar, wenngleich natürlich auch bei Gewittern der höchsten Warnkategorie Hagelschlag möglich ist. Werden beim Regen die Schwellenwerte von 70 l/qm in 12 h, 80 l/qm in 24 h, 90 l/qm in 48 h oder 120 l/qm in 72 h überschritten, so wird vor extrem ergiebigem Dauerregen gewarnt.

Es gibt noch zwei weitere Farben auf der Warnkarte. Damit sind allerdings nicht noch extremere Unwetter gemeint, vielmehr handelt es sich dabei um Warnungen vor starker Hitze- bzw. UV-Belastung. Wird an zwei Tagen in Folge eine gefühlte Temperatur von über 32 Grad Celsius und in der Nacht eine nur geringe Abkühlung erwartet, so wird eine Hitzewarnung in "Helllila" ausgegeben. Die UV-Warnung wird in "Pink" in Abhängigkeit von der Region und der für die Jahreszeit typischen UV-Belastung ausgegeben und beruht auf der erwarteten maximalen sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung.

Eine ausführliche Übersicht über das gesamte Warnmanagement des Deutschen Wetterdienstes finden Sie über den "Mehr Informationen"-Button unterhalb der Warnkarte auf www.dwd.de.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.03.2017

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